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Courtney Barnett. Foto: Mia Mala McDonald
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Courtney Barnett.

Neues Album von Courtney Barnett

Courtney Barnett: „Things Take Time, Take Time“ – Lethargische Anti-Heldin

  • VonChristina Mohr
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In ihren neuen Songs plädiert die Australierin Courtney Barnett für Behutsamkeit und Wärme.

Die Platte fängt schon mal schön slackermäßig an: „In the morning I’m slow / I drag a chair over to the window / And I watch what’s going on“, singt Courtney Barnett im Opener ihres dritten Studioalbums und scheint damit ihr Image als lethargische Antiheldin zu bestätigen, für die es schon an Aktionismus grenzt, Hunde, Kinder und die Müllabfuhr in der songtitelgebenden „Rae Street“ zu beobachten. Es wäre allerdings zu kurz gegriffen, die australische Singer-Songwriterin aufgrund dieser Zeilen in die Schublade „verschlurft, aber sympathisch“ einzusortieren.

„Things Take Time, Take Time“ entstand wie so viele aktuell erscheinende Alben während des globalen Lockdowns und ist darüber hinaus das Dokument persönlicher Erschöpfungszustände. Nach der Tournee zu ihrem zweiten Album fühlte sich die Künstlerin extrem ausgelaugt, eine Reihe dramatischer Ereignisse – die Trennung von ihrer langjährigen Partnerin und Musikerkollegin Jen Cloher, die Buschfeuer in Australien und der Beginn der Pandemie – verstärkte Barnetts deprimierte Stimmung noch.

Um sich selbst aus dem dunklen Loch zu ziehen, wählte Barnett eine andere Strategie als ihre Stream-of-Consciousness-Lyrics mit sarkastischem Unterton, die man von früheren Songs kannte. Zwar liegt der Fokus noch immer auf den kleinen, scheinbar bedeutungslosen Dingen und Situationen des Alltags – aber nun schöpft Barnett Kraft daraus, dass die Blumen blühen und Vögel singen, worüber sie im von einer Drum Machine (gemeinsam mit Warpaint-Schlagzeugerin Stella Mozgawa programmiert) angetriebenen „Turning Green“ sinniert, energetisches Zentrum dieser ansonsten sanft und luftig instrumentierten Platte.

Das Album

Courtney Barnett: Things Take Time, Take Time. Marathon Artists.

Der ungestüme, punkig-grungige Biss seiner Vorgänger „Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit“ (2015) und „Tell Me How You Really Feel“ (2018) fehlt „Things …“ fast komplett. Behutsamkeit, Wärme und leise Melancholie zeichnen die neuen Stücke aus, die stilistisch eher an jingly-jangly Sixties-Folk à la Byrds angelehnt sind als beispielsweise an Nirvana.

Worauf man sich freuen kann

Mancher Songtitel könnte ein Kapitel aus einem Achtsamkeitsratgeber sein: „Write A List Of Things To Look Forward To“ heißt ein Stück, „Take It Day By Day“ ein anderes, und in „If I Don’t Hear From You Tonight“ nimmt Courtney Barnett die Rolle der mütterlichen Kümmerin ein, die sich darum sorgt, ob die angesprochene Person nur ordentlich isst – in Zeiten sozialer Distanzierung nicht hoch genug zu schätzen.

Auch die einstige Geliebte soll nicht im Groll gehen: „If somethin’ were to happen, my dear / I wouldn’t want the last words you hear / To be unkind“, heißt es im Kinderlied-Singsang von „Before You Gotta Go“, einem Plädoyer für fairen und trotz alledem liebevollen Abschied. Courtney Barnett versucht, eigene Wunden zu heilen – und auch die ihrer Freundinnen. Aber Leute, die Dinge brauchen Zeit, viel Zeit. Man muss kleine Schritte machen. Und – zurück in der „Rae Street“ – ganz banale Dinge tun: „I might change my sheets today“, überlegt Barnett in besagtem Song. Okay, vielleicht aber auch erst morgen.

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