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Die Lochis.

Die Lochis

Coole Cliquensprüche

Bei ihrem Auftritt in der Frankfurter Batschkapp setzen die Lochis auf das Prinzip Kindergeburtstag, modernisiert. Doch die YouTube-Stars zeigen Altersspuren.

Von Volker Schmidt

„Auf vier eskalieren wir richtig“: Das ist doch mal eine Ansage. Hände hoch, hüpfen, kreischen. Die Lochis sind im Haus, und die wurden laut Batschkapp-Homepage „2012 bereits im selben Atemzug mit Y-Titty genannt“. Äh ja. Zum Glück haben wir zielgruppenzugehörige Beratung mitgenommen und können fragen, wer Y-Titty doch gleich ist: „Die gibt’s doch gar nicht mehr“, sagt #magiczee. Er ist elf und dürfte damit nur knapp unterm Schnitt liegen, Chauffeure (Eltern) abgerechnet.

Die Lochis sind die Zwillingsbrüder Heiko und Roman Lochmann, Jahrgang 1999, aus dem Kreis Groß-Gerau. Ihr YouTube-Kanal hat knapp 2,3 Millionen Abonnenten. Aus Parodien von Chart-Hits und kleinen Scherzen wurden eigene Songs, ein Kinofilm („Bruder vor Luder“) und 2016 das Album „#Zwilling“. Für uns Über-20-Jährige kaum zu verstehen, warum zwei Teenager mit drei etwas älteren Bandmusikern republikweit vor ausverkauften Hallen stehen. Die Musik: mäßig origineller, angerappter Synthiepop. Wie meint #magiczee: „Witzig war, dass da jemand ‚Rock’n’Roll‘ reingebrüllt hat.“ Die Stimmen: in hohen Lagen deutscher Soulstandard, die tiefen stimmbruchzerkratzt. Gut, da sind die Texte: coole Cliquensprüche („Drüber“), Feierstimmung („Lass uns abgehen“), inzwischen zunehmend Nachdenklicheres („Träume“, „Heimweh“). Dass das die Lebenswelt zwischen Schulhof und Partykeller trifft, können Ü30er nachvollziehen.

Ist das nicht ein Lehrer-Spruch?

Hauptplus dürfte sein, dass die Lochis das Prinzip Kindergeburtstag modernisieren. Schreiwettbewerbe, Luftballons, statt Topfschlagen kurzes Erstarren in Schaufensterpuppenpose (#magiczee: „Mannequin Challenge“) oder flach auf dem Boden („Plank“). Ihr Publikum reden sie mit „Freunde!“, einander mit „Alter!“ an. Neben „Girls!“ und Ladies!“ bekommen auch „Mütter!“ eine Ansage: „Ihr seid doch noch jung und frisch!“ In „Musikmatch“ besingen sie ihren Transfer in die Welt der Plattenfirmen: „Und sie sagen: Wir machen das nur wegen dem Geld. / (…) Wir haben angefangen auf YouTube Videos zu produzieren / Da war es noch nicht einmal möglich diese zu monetarisieren.“

Sie zeigen Altersspuren. „Die Handys bleiben jetzt mal in der Tasche – ihr sollt das Konzert fühlen, nicht filmen!“ Ist das nicht ein Lehrer-Spruch? Und dieses leise Amüsement darüber, dass sich Mädchenhände nach angeschwitzten Handtüchern recken, ist das schon ein Zeichen für Distanz zum Publikum? Y-Titty übrigens, erklärt #magiczee, waren zeitweise Deutschlands erfolgreichste YouTuber. Das Debüt erschien 2013. Zwei Jahre später ging das Trio auseinander.

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