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Joan Baez, die große Ikone des linken Amerikas.

Charlottesville

Conny Kramer und die Nazis

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Charlottesville: Joan Baez? Botschaft über General Lee ist aktuell wie nie.

Die Melodie kannte in den 70er Jahren jeder. Joan Baez hatte das Lied gesungen, und die deutsche Sängerin Juliane Werding machte daraus einen deutschen Schlager, in dem sie den Drogentod eines Freundes beklagte. Am Tag, als Conny Kramer starb, erklangen alle Glocken, „All the bells were ringin’“.

Das Original stammt vom kanadischen Musiker Robbie Robertson, der zu der legendären Rockgruppe namens The Band gehörte, die eine Zeit lang mit Bob Dylan unterwegs war, in dessen kreativster Phase Mitte der 60er Jahre.

In „The Night They Drove Old Dixie Down“, so der Titel des Songs, geht es auch um Robert E. Lee, einen General der Konföderierten Armee des Amerikanischen Bürgerkriegs, der die Nord-Virginia-Armee befehligte und als Verfechter der Beibehaltung der Sklaverei galt. Lee ist eine mythische Figur einer Geschichte, die als Urkonflikt der USA noch immer virulent ist. Gerade hat sie traurige Aktualität erlangt. Die geplante Beseitigung eines Reiterdenkmals, das Lee gewidmet ist, hat in Charlottesville, Virginia zu einem Aufmarsch von Anhängern der Altright-Bewegung geführt, in dessen Folge ein mutmaßlich rechtsextremer Täter mit einem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten gerast ist. Eine 32-jährige Frau wurde dabei getötet.

Vor dem Hintergrund des tragischen Geschehens und dem verstörenden Verhalten Donald Trumps, der die Rolle der Rechten bei der Eskalation der Gewalt herunterspielte, stellt sich die Frage, was Joan Baez, die große Ikone des linken Amerikas, einst dazu bewogen haben mag, ein Lied zu singen, in dem der alte amerikanische Süden beschworen wird. „But they should never have taken the very best“, heißt es in „The Night They Drove Old Dixie Down“, das auch einiges über die nicht versiegende Gegenwärtigkeit des Bürgerkriegs in der amerikanischen Gesellschaft verrät.

Der Song spitzt den ihm zugrunde liegenden ideologischen Konflikt nicht zu. Eher trägt er zur Beruhigung eines Traumas bei, in dem die Niederlage des Südens in dem Song ganz allgemein als Verlust der amerikanischen Einheit wahrgenommen wird. Robbie Robertson, so heißt es, habe dieses Lied für Levon Helm geschrieben, den aus Arkansas stammenden Schlagzeuger und Sänger der Band. Robertson hat also nicht sein eigenes Empfinden ausgedrückt, sondern vielmehr versucht, das Lebensgefühl seines Freundes zu treffen. Vielleicht war es genau dieser indirekte Zugang, der „The Nigth They Drove Old Dixie Down“ überhaupt erst zu einem Hit werden ließ. Es drückte sich darin ein Einheitsbedürfnis aus, von dem auch die linke Bürgerrechtsbewegung beseelt zu sein schien. 

Die Zeiten sind vorbei, Amerika lebt von der Zuspitzung und ihr Präsident treibt sie an.

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