Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Colin Linden. Foto: Laura Godwin
+
Colin Linden.

Blues-Album „Blow“

Colin Linden: „Blow“ – Southern-Bräu, elektrisch

  • Olaf Velte
    VonOlaf Velte
    schließen

„Blow“ von Colin Linden ist eine Blues-Hommage, wie sie frischer nicht sein kann.

Vier Jahrzehnte mussten vergehen, bevor seine elektrische Gitarre die reine Lehre verkünden durfte. Fast ein Menschenalter, in dem Colin Linden als gefragter Gastmusiker und Produzent brilliert, als Solo-Artist dagegen kaum wahrgenommen wird. Heute hat der Kanadier ungeheure 61 Jahre auf dem Buckel und vollendet das, was ihm Howlin’ Wolf einst aufgetragen hat.

„Blow“ heißt eine neue Veröffentlichung, die elf Songs enthält und eines der wegweisenden Bluesalben unserer Tage ist. Selten hat Hommage frischer und jünger geklungen, selten wurde das Genre variationsreicher aufgeraut. Ohne Schnickschnack und Effekthascherei haben Linden und seine Kumpels Gary Craig und Johnny Dymond zusammengezimmert, was dem Wahren eine meisterliche Tragfläche ist. Auf dem Titelstück spielt die Ehefrau Janice Powers eine Hammondorgel: keineswegs perfekt, laut ihrer eigenen Aussage eher „wie eine derangierte Kirchen-Lady“.

„4 Cars“ taktet sofort ein, eröffnet eine Sammlung, die keinen Lückenbüßer kennt, sich durchfedert bis zum Schluss. Rund 47 Minuten – ohne Langeweile, ohne Selbstbeweihräucherung. Hier regiert vielmehr der Wille zum Bodenständigen, zum gehackten Riff, einem aus Piano und Harp, Bass und Drums meisterlich angerührten Southern-Bräu.

Das Album

Colin Linden: Blow. Highway 20 – Thirty Tigers / Membran.

Und was für ein Reichtum an Variationen, an Möglichkeiten – tatsächlich eine begeisternde Kernschmelze aus Boogie-Roots-Country-Rockabilly-Rhythm-Gospel. Gesiedet und gesegnet im Blues. Dass Linden, der alte Fuchs, dies alles auf seinem Brett greifen und formen kann, steht sowieso außer Zweifel. Was der Mann mit seinem Bottleneck anstellt, gehört längst auf die Weltkulturerbe-Liste. Auch die geeignete Stimme für derartige Exkursionen ist ihm eigen. Wahrscheinlich hat die unheilige Trias Hooker-Diddley-Wolf seinen Leib schon vor Ewigkeiten als allerletzten Ruheplatz ausersehen. Colin Linden – der, nur eine Auswahl, Mississippi Fred McDowell noch lebendig erlebt und mit Emmylou Harris und T-Bone Burnett gespielt hat – weiß, dass es mit bloßer Gefälligkeit nicht funktioniert. „Blow“ ist ruppig, Garage, aufstampfend. Chicago-Blues, elektrisch, groovy. Aus den verfluchten Fünfzigern kommend und beginnend wie ehedem: „I’m goin’ to Chattanooga.“

Fachsimpeln in der Taverne

Jedenfalls hat der früh vollendete Spätheimkehrer jedes Lied auf dieser Platte selbst ersonnen und produziert. Die Hits unter all diesen Straßenfegern? „Ain’t No Shame“, „Angel Next to Me“, „Right Shoe Wrong Foot“, „Honey On My Tongue“? – Ach was! Genießen Sie den köstlichen Humpen Schluck für Schluck. Und weil das Erweckungserlebnis des Linden-Buben überall zum Besten gegeben wird, soll es auch hier nicht fehlen. 1971 hat er – im Beisein der Mama – in Toronto den 61-jährigen Howlin’ Wolf im Hinterzimmer der Colonial Tavern vor einem Auftritt getroffen. Während der Blues-Heroe das Zigarettenpäckchen leer raucht, wird zwei Stunden lang gefachsimpelt.

Als der junge Colin den Raum verlässt, hat er eine Mission. Übrigens soll die damals gefertigte Fotografie noch heute in seiner Rocktasche stecken.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare