„Club Picknick“

Max Clouth: Von diskreter Art

  • vonStefan Michalzik
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Max Clouth und Dan Bay auf Exkursion im Sommergarten der Frankfurter Milchsackfabrik.

Unvermutet viel Grün im grauherben Umfeld des Industriegebiets an der Gutleutstraße im Westen Frankfurts, hohe Bäume und bewachsene Mauern. Im Hinterhof der Milchsackfabrik haben die auf dem Gelände ansässigen Kulturinstitutionen, der Kulturverein Farbenfabrik, Tanzhaus West, Dora Brillant und das Theater Landungsbrücken, zwecks Überbrückung der Zeit der behördlichen Einschränkungen gemeinschaftlich einen Sommergarten eingerichtet, mit um die sechzig Plätzen an bewirteten Tischen. In der Reihe „Club Picknick“, die mit Konzerten, DJ-Sets und Theater Landungsbrücken bestückt ist, sind jetzt der Frankfurter Jazzgitarrist Max Clouth und der Elektronikmusiker und DJ Dan Bay als Duo aufgetreten.

Es ist die klassische indische Musikkultur, mit der sich Max Clouth beständig beschäftigt, das untere Griffbrett seiner Doppelhalsgitarre ist mit Bünden ausgestattet, das obere ist bundlos. Letzteres ermöglicht Glissandi in Annäherung an das Klangbild der Sitar (auch wenn diese ein Instrument mit Bünden ist und ein vergleichbarer Effekt hier auf einem anderen Wege erzeugt wird).

Eine derartige Annäherung war der Ausgangspunkt für die ausschweifenden musikalischen Exkursionen an diesem Abend; Dan Bay „schraubte“ am Synthesizer den für den indischen Raga charakteristischen Bordunton dazu. Die Abfolge der Stücke kam in ihrer Dramaturgie der eines DJ-Sets nahe, das Repertoire speiste sich aus jenem der im Frühjahr (ausschließlich via Internet) veröffentlichten gemeinsamen EP „Voodoo Guitar“.

Alles im Downbeat-Tempo

Sämtlichen Stücken gemein ist ein Downbeat-Tempo, will meinen: die Beats sind von einer diskreten Art, selbst wenn der Ausschlag mal in die technoide Richtung geht. Mal sind sie präsenter, dann wieder treten sie eher in den Hintergrund oder bleiben gänzlich aus.

Die Skala der stilistischen Anverwandlungen ist enorm ausgreifend, vom lässig elegant groovenden Elektropop über Fusion und Rock und ein gelooptes Soundgebritzel bis zu monströser Psychedelik und morriconehafter Spannung. Mit postmoderner eklektizistischer Beliebigkeit hat das eher wenig zu tun, es geht um improvisatorische Freiheit, Offenheit und Weite, fern musikalischer Stereotypen und Raster. Grenzen zwischen den Genres, auch zwischen dem „natürlichen“ und dem elektronischen Instrumentarium, scheinen nur eine Schimäre zu sein. So sehr das Nummer für Nummer einen ausgeprägt eigenen Charakter hat, wirkt es als Ganzes homogen, wie ein großer Fluss.

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