Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Martin Went von Milky Chance in Austin/Texas.
+
Martin Went von Milky Chance in Austin/Texas.

Milky Chance

Clever und Smart im bunten Nebel

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
    schließen

Milky Chance traten womöglich in der Jahrhunderthalle auf. Sicher ist das nicht, aber schön war’s.

Wie sich die Zeiten ändern. Wer sich vor einem Milky-Chance-Konzert ordnungsgemäß über Milky Chance informiert, um etwa herauszufinden, warum das Kasseler Pop-Wunder eigentlich Milky Chance heißt (nur so, keine besondere Bedeutung), der erfährt auch, dass Sänger Clemens seinen Nachnamen nicht verraten mochte: um seine Familie zu schützen. Das war 2013.

Viereinhalb Jahre und ein paar Millionen verkaufter Alben später sind wir so weit, dass Clemens’ Großmutter erstmals zu einem seiner Auftritte erscheint. Und dass er die Dame in ihren 80ern auch noch vor allen Leuten in der Frankfurter Jahrhunderthalle begrüßt: „Ich hab dich lieb, Oma.“ Die kompletten Namen der beiden Wunderhessen sind natürlich auch längst in alle Welt posaunt. Familie schützen, nee, is klar.

Aber im Ernst: Man muss sie gern haben, die beiden immer noch blutjungen Musiker, die nach ihrer steilen Karriere, von Null auf Weltstars mit dem Album „Sadnecessary“, einmal um den Globus und zurück, weiterhin schüchtern auf der Bühne stehen und sagen: „Krass. Ihr seid ganz schön viele.“

Das sagt Clemens Rehbein gern mal live. Falls es sich um Clemens Rehbein handelt. Sicher ist das nicht, denn selten hat man ein Konzert erlebt, bei dem die Menschen auf der Bühne so schwer zu erkennen sind. Zwar geht der Trend allgemein immer mehr dahin, das Publikum ausführlich zu beleuchten und mit Blitzlampen dicht an einen epileptischen Anfall heranzuführen, während die Band auf der Bühne nur von hinten angestrahlt wird. Aber Milky Chance lässt auch noch eigens Nebel in die Halle pusten, bevor die Musiker kommen, und in diesen Nebel wird dann ganz viel buntes Licht geschickt. Sieht schön aus, lässt aber eine Zuhörerin auf der Tribüne schon nach vier Liedern (und einem grünen Suchscheinwerfer in ihrem Gesicht) entnervt den Saal verlassen: „Muss ich mir nicht antun.“

Unten auf den Stehplätzen feiert die Menge die Band, denn das sind Helden aus dem Volk, Leute wie sie selbst. Oben vor den Scheinwerfern stehen ungefähr vier Personen, eine von ihnen muss auch Philipp Dausch sein, der Discjockey unter den beiden Milky-Buben. Die anderen zwei könnten Sebastian Schmidt (Schlagzeug) und Antonio Greger (Gitarre u.a.) sein, aber sicher ist das nicht. Vielleicht sind sie auch Cem Özdemir und Christian Lindner, Stan Laurel und Oliver Hardy oder Clever und Smart, wie gesagt, man sieht es nicht genau. Aber die schnarrende Stimme von Clemens Rehbein, die hört man schon unverkennbar heraus.

An dritter Stelle singt er „Blossom“, den Titelsong des zweiten Albums, das in den Charts noch höher kletterte als das Debüt. Es folgen schöne Versionen etwa von „Flashed Junk Mind“ und „Down By The River“, toller Sound, vielleicht alles ein kleines bisschen ähnlich und vor allem: arm an Bass. Ist da überhaupt ein Bassist auf der Bühne? Nein! (So weit zu erkennen.) Oder doch – wie eine Fata Morgana erscheint plötzlich einer. Und zu „Alive“ spielen sogar zwei Bassisten.

Zugegeben, diese Band reagiert ausgesprochen prompt auf leise Kritik – schon bevor die Kritik gedruckt ist. Alle Achtung. Mit „Cocoon“ und später dem Ur-Hit „Stolen Dance“ geht es ins Finale. Es ist ein schöner Abend mit guter Musik, mit Tausenden fröhlichen und friedlichen Menschen, so etwas sollte man bewusst genießen. Und möglicherweise spielte Milky Chance im Original. Oma Rehbein hat ihren Clemens hoffentlich erkannt.

Am Ausgang fragen einen die Leute freundlich: „Sie gehen nach Hause?“ Auch mal was Neues. Wenn nicht, hätte man einen Stempel gekriegt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare