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Clams Casino in Los Angeles auf der Bühne. 

Clams Casino

Clams Casino „Moon Trip Radio“: Musik aus dem Weltraum

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„Moon Trip Radio“ heißt das neue unterkühlte Album von Clams Casino.

Clams Casino ist einer der namhaften Produzenten, die als Wegbereiter für die modernen Stilrichtungen und Abzweigungen im HipHop gelten: etwa Cloud-Rap oder Hypnagogic HipHop. Rapper wie Lil B oder Soulja Boy wurden 2010 auf den Beat-Virtuosen aufmerksam und verhalfen ihm zur Popularität.

Als Asap Rocky zu Beginn seine Karriere das Mixtape „Live Love Asap“ herausbrachte und also seine ersten Rap-Songs wie „Wassup“ oder „Peso“ veröffentlicht wurden, etablierte sich im HipHop ein neues Klangbild mit einer Portion mehr Musikalität, dazu eine Vordergründigkeit der Beats. Eine Renaissance der Beatmaker, könnte man sagen. Zumindest begannen sich die Fans für die Produzenten der großen Rap-Hits zu interessieren.

Endlich konnten auch Intellektuelle, Hipster und Kunststudenten Rap hören, denn Rap wurde fortan abstrakter in seiner visuellen Darstellungsform und experimenteller in seiner musikalischen Darbietung.

Der 1997 geborene Beatmaker Mike Volpe alias Clams Casino aus New Jersey hat sein neues Tape jetzt in Eigenregie veröffentlicht. Dabei zieht er sein Ding durch: Sphärische Klänge in einem Meer von angedeuteten Melodien und verzerrten Samples ergeben ein stimmiges Soundbild. Stellenweise setzt er auf Texturen, die ganz ohne Beat auskommen, oder verwebt hauchende Gesangsspuren in seine dynamischen Konstruktionen.

Die visuellen Häppchen zu den Stücken „Rune“ oder „Cupidwing“ auf Youtube gehen eine Symbiose mit dem von Clams Casino produzierten Audiomaterial ein: abstrakte Formen in rhythmischer Bewegung zum Beat projizieren ein Bild von schemenhaften Landschaften auf unbekannten Planeten; ein ästhetisches Gesamtkonzept, das die Fremdheit des Weltalls aufsaugt und anschließend in Musik verwandelt.

Gastauftritte gibt es keine auf dem Album – eben nur Beats. Das ist nichts für zwischendurch, vielmehr ein Album, für das man sich Zeit nehmen sollte. Keine Partymusik, sondern Musik, bei der Melancholie transportiert wird mit großflächigen Sounds und innovativen Samplevariatonen – ein Klangbild mit Alleinstellungsmerkmal.

Das Album wird es schwer haben, einziehen zu können in die virtuelle Dauerschleife. Dazu ist es zu sperrig. Manchmal hätte man sich darum ein bisschen mehr Rap oder Gesang gewünscht – denn zumindest hätte das dem kalten Weltraum-Sound zwischendurch etwas menschliche Wärme verliehen.

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