Christof Lauer, überregional prominenter Vertreter des Jazz.
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Christof Lauer, überregional prominenter Vertreter des Jazz.

Palmengarten

Mittags treffen und abends spielen

  • vonStefan Michalzik
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Christof Lauer mit markanter junger Quartettformation bei der Reihe Jazz im Palmengarten.

Mittags das erste Zusammentreffen, abends Konzert, zum ersten Mal in dieser Besetzung. Ein spektakulär aus der Reihe fallendes Experiment ist das natürlich nicht, eher schon ist es ein alter Mythos des Musizierens im Jazz, dem hier gehuldigt wird. Und, wie auch sonst: Hätte Christof Lauer das Publikum nicht am Anfang ins Bild gesetzt, keiner hätte diesen Hintergrund vermutet.

Der Frankfurter Saxofonist, Jahrgang 1953 und damit überregional prominenter Vertreter des Jazz in der Stadt in der Generation nach Albert Mangelsdorff, mit dem er intensiv zusammengearbeitet hat, ist der erste Artist in Residence. Dies in der bis ins Jahr 1959 zurückgehenden Geschichte der – seit längerem von der Jazzinitiative ausgerichteten – Reihe Jazz im Palmengarten.

Geschmackssicher hat Lauer drei der vier Bands im „Notprogramm“ eingeladen, jene von Pablo Held und, in der kommenden Woche, Nils Wogram. Für die Premiere seines eigenen neuen Quartetts hat er eine Reihe von profilierten jungen Musikerinnen und Musikern zusammengestellt, neben ihm selbst an Tenor- und Sopransaxofon Heidi Bayer an Trompete und Flügelhorn, die Bassistin Lisa Wulff sowie Silvan Strauß am Schlagzeug.

Was sich bietet, ist das Bild eines eingeschworen wirkenden Quartetts, das in einer ungeheuren Frische musiziert. Dass es einen Leader gibt, scheint in diesem Solistenensemble keine sonderlich große Rolle zu spielen. In Parität hat jeder der Beteiligten zwei Stücke mitgebracht. Bestechend durchweg ist die Klarheit der musikalischen Ideen, allesamt sind das nicht minder grandiose Komponisten wie Instrumentalisten. Weidlich Raum bleibt zum solistischen Agieren, bis hin zu einigen grenzzirsensisch hyperdynamischen Solopräsentationen am Schlagzeug. Auch die sind aber daddelei-fern, wie alles an diesem Abend.

Da ist mal eine der Nummern von einem funky Groove geprägt, dann wieder öffnen sich Stücke zu geräuschhaften Klangszenen im Pianissimo, in Nachbarschaft klangstarker Kollektivpassagen im aufgefrischten Geist der Freien Spielweise; andere Nummern wiederum sind geprägt von ungeraden Metren. Unerhört durchweg die generationsübergreifende Unverbrauchtheit.

Heidi Bayer wie auch Lisa Wulff, das klang am Rande an, haben im Frühjahr Alben veröffentlicht, die im Zusammenhang damit stehenden Konzerte fielen flach. Bang erst recht geht der Blick der Musikerinnen auf den Herbst, wenn die Freiluftsaison vorüber ist.

Vom Frankfurter Jazzkeller beispielsweise ist zu hören, dass er im September mit gerade einmal 34 zugelassenen Zuschauern wieder an den Start gehen will. Davon lässt sich keine auskömmliche Gage zahlen. In Gesprächen mit Musikern ist zu hören, dass die Spielmöglichkeiten über den Sommer hinweg an einer Hand abzuzählen und damit existenzgefährdend rar waren.

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