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Christine McVie ist tot: Geh deinen eigenen Weg

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Von: Harry Nutt

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Christine McVie ist gestorben. Viele kennen die Musikerin als Mitglied der erfolgreichen Band Fleetwood Mac – ein Nachruf.

Die trügerische Leichtigkeit des Pop kulminierte 1977 in dem Album „Rumours“ der britisch-amerikanischen Band Fleetwood Mac. Die schwerelose Eleganz der Songs hat nie so recht ins Bewusstsein dringen lassen, dass es in ihnen um Trennungsschmerz, Zerwürfnisse und Selbstzerstörung durch Drogenmissbrauch geht. Die Arbeit am Album war für die in permanenter Auflösung befindliche Band gleichermaßen Therapie und Katalysator in Entfremdungsprozessen. Es war der Stoff einer der erfolgreichsten Popproduktionen aller Zeiten.

Als Christine McVie 1970 zu Fleetwood Mac kam, hatte sie als Sängerin und Pianistin von Stan Webs Formation Chicken Shack unter ihrem Geburtsnamen Christine Perfect schon eine veritable Karriere in der stark vom Einfluss des Bluesveteran John Mayall geprägten Londoner Musikszene hinter sich. Ihre helle, leicht eingefärbte Bluesstimme bescherte Chicken Shack mit einer Coverversion von Etta James’ „I’d Rather Go Blind“ einen Charterfolg, in dem sich zugleich eine Fortbewegung vom klassischen Blues andeutete. Die Neigung zu intelligenten Poprhythmen mit einem Zug zum Balladesken war es denn auch, die Fleetwood Mac wenig später denselben Weg einschlagen ließ.

Christine McVie ist Tod: Sie war Mitglied der erfolgreichen Band Fleetwood Mac

Nach dem Ausscheiden des Bluesgitarristen Peter Green, durch den Fleetwood Mac in den Anfangsjahren mit Hits wie dem Instrumentalstück „Albatross“ und „Black Magic Woman“ (das Original zu Carlos Santanas Welthit) zur ambitionierten Pop-Avantgarde zählte, öffneten sich Schlagzeuger Mick Fleetwood sowie John und Christine McVie verschiedenen Sounds und Einflüssen. Aus Blues und Rock wurde Pop, und als Bestandteil der British Invasion in die USA schaffte Fleetwood Mac mit „Over My Head“ aus der Feder von Christine McVie dort den Durchbruch.

Christine McVie, 2018.
Christine McVie, 2018. © afp

Die Arbeit am nachfolgenden Album „Rumours“ wurde jedoch zum Desaster der privaten Beziehungen. Nach acht Jahren Ehe trennten sich Christine und John McVie während der Aufnahmen und sprachen nur noch über musikalische Belange miteinander. Stevie Nicks und Lindsey Buckingham, die eine Art On-and-Off-Beziehung unterhielten, konnten ebenfalls nicht zur Entspannung der Stimmung beitragen. Trotzdem schien es, als würden die Stücke von „Rumours“, von denen „Go Your Own Way“ und „Dreams“ zu Evergreens wurden, sich aufeinander beziehen. Das von Christine McVie geschriebene „Don’t Stop“ kann schließlich als positives Resümee verstanden werden, nach allen Turbulenzen auf getrennten Wegen weiterzumachen.

Zum Tod von Christine McVie: Das machte sie nach dem Fleetwood-Mac-Ausstieg

Genau das aber schien keine Lösung zu sein. Bandaustritte und Wiedereinstiege gehörten zur Signatur von Fleetwood Mac, für die Christine McVie (zusammen mit Eddy Quintela) 1987 mit „Little Lies“ erneut einen weltweit erfolgreichen Song komponierte. Mit diversen Soloaufnahmen (u. a. mit Lindsay Buckingham) erreichte McVie jedoch nie die Resonanz der inzwischen als Supergroup gehandelten Fleetwood Mac, zu denen sie mehrfach wieder zurückkehrte. Nun ist ein „Songbird“ für immer gegangen. Am Mittwoch ist Christine McVie im Alter von 79 Jahren gestorben. (Harry Nutt)

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