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Die Petite Messe solennelle beim Rheingau Musik Festival in der Ringkirche Wiesbaden. 

Rheingau Musik Festival

Christiane Karg in Wiesbaden: Eine Messe ganz für uns

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Gioachino Rossinis „Petite Messe solennelle“ fabelhaft intim in der Ringkirche Wiesbaden.

Der „Fokus“ auf Christiane Karg wird dem Rheingau Musik Festival mit den besonders gediegenen Wünschen der Sängerin gelohnt. In einer so exquisiten Besetzung wird Gioachino Rossinis „Petite Messe solennelle“ nicht so bald wieder in der Nähe zu hören sein, noch dazu in einer so kammermusikalisch intimen Situation, die das Publikum vorne in der Mitte praktisch den Luftzug der Solisten spüren ließ und auch ein Minimum an sozialer Kompetenz durch Blickkontakte erforderlich machte. Der Rahmen in der Wiesbadener Ringkirche: zugleich umwerfend festlich.

Karg, war eingangs zu erfahren, habe eigens darauf bestanden, dass Rolf Beck mit seiner Internationalen Chorakademie Lübeck anreiste. Auch die Sopranistin ist – wiederum zu seinem Stolz – eine ehemalige Akademistin des von Lübeck ausgehend heute alle Welt einbeziehenden Projekts. Der Chor trat mit knapp über zwanzig Köpfen an, eine schlanke Angelegenheit, aber größer, als es Rossini vorschwebte (acht nämlich). Vermutlich wäre es angesichts der hörbar solistischen Qualitäten der Sängerinnen und Sänger also erst recht nicht notwendig gewesen, so viel Druck bei den „prächtigen“ Stellen zu geben, etwa dem „Amen“ zum Abschluss des „Gloria“.

Es pulst das Klavier

Auch die heute zu Recht gerne benutzte Originalbesetzung des für die Einweihung einer privaten Kapelle geschriebenen Werks signalisiert ein kleines Format (die spätere und von der Nachwelt lange bevorzugte Fassung mit Instrumentalensemble schrieb Rossini anscheinend zähneknirschend und nach eigenem Bekunden, um Schlimmeres zu verhindern). Pianistin Ulrike Payer (die mit Karg schon Liedprogramme aufgeführt hat, etwa beim Rheingau Musik Festival 2015) übernahm den bei weitem führenden Klavierpart. Maros Klátik unterstützte sie an einem zweiten Instrument, wenn es kräftiger werden sollte. Michael Meyer erinnerte am Harmonium daran, wie feinsinnig dieses doch herzlich kraftvolle (laute) Instrument klingen kann, wenn es auch mit Feinsinn bedient wird. Fabelhaft, wie sich das Harmonium in den effektvoll pulsierenden Klavierbeginn hinein ins Spiel bringt.

Der größte Trumpf der Aufführung war aber das Solistenquartett. Um Karg, deren „Crucifixus“-Solo die englischste Seite des trübsten Momentes hervorlockte, fand sich eine ebenbürtige Besetzung zu einem ganz homogenen Gesamtklang. Das in der Tat kurios Opernhafte der Messe – auch der längst im Ruhestand befindliche Opernstar Rossini konnte und wollte nur schreiben, wie er eben schrieb – hatte hier keine possenhafte Note, alles war Sanftheit und Delikatesse. Dass es über weite Strecken trotzdem so klang, als würde in einer Oper eine Messe aufgeführt, machte das Geschehen noch vielschichtiger. Der weiche Alt von Angela Brower und der ungemein quicke, strahlkräftige Tenor von Siyabonga Maqungo verbanden sich im „Gratias“ schon zum Liebesduett, in das sich Gyula Orendts Bass einmischt, wie der Onkel oder ahnungslose Ehemann. Rolf Beck zog die Fäden, aber nur bei Bedarf. Zu sehen und zu hören war wirklich ein gemeinsames Musizieren.

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