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Christiane Karg in Schloss Johannisberg, am Klavier: Simon Lpeer.  

Rheingau Musik Festival

Christiane Karg im Rheingau: Fort von Europa

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Ein ungewöhnliches Programm mit Christiane Karg & Friends in Schloss Johannisberg.

Zur Gruppe der residierenden Artisten des Rheingau Musik Festivals gehört die Sopranistin Christiane Karg, die mit insgesamt acht Auftritten betraut ist. In Schloss Johannisberg war die in Feuchtwangen geborene 39-Jährige mit einem selbst verfassten Programm zu erleben. Auch in der Wahl ihrer instrumentalen Partner war Karg frei und präsentierte sich mit den acht Cellisten des HR-Sinfonieorchesters, dessen Solo-Flötistin Clara Andrada de la Calle sowie dem Pianisten Simon Lepper als „Christiane Karg & Friends“. Das Programm selbst stellte sie unter den Titel „In der Fremde“.

Die Instrumentalbesetzung mochte schon andeuten, dass es dabei nicht um die Schwermuts-Romantik des „Fremd bin ich eingezogen, / Fremd zieh’ ich wieder aus“ ging. Tatsächlich war außer dem Eröffnungslied „In der Fremde“ aus Robert Schumanns „Liederkreis“ nichts Gängiges oder Vertrautes zu hören. In der Fremde – das konnte für die zwei Stunden im Fürst-von-Metternich-Saal für die Befindlichkeit des dort versammelten Publikums gelten, denn selbst die Werke des einzigen gut bekannten Namens, Maurice Ravel, waren nahezu völlig Unbekannte. Wer kennt schon Kreationen von Charles Koechlin, Xavier Montsalvatge oder Alan Louis Smith? Meist Werke, die in ihrer textlichen und klanglichen Art von den mitteleuropäischen Harmonikalitäten und Rhetoriken abstechen. Ein alltäglicher, Problemlagen der unmittelbaren Daseinsbewältigung in außereuropäischen Lebenswelten zugetaner, narrativer Duktus herrschte vor.

War man im Schloss in der Fremde, so suggerierten die Stücke selber ein „Aus der Fremde“, wobei der musikalische Exotismus der vorletzten Jahrhundertwende sich seitdem als ein alle etwa 30 Jahre wiederkehrender Modus etabliert hat, in dem nach Reizstoffen, nach Erfrischungen und Neufärbungen abgeblichener Klangfassaden gesucht wird.

Höchst reizvoll waren die lakonischen Vertonungen der Erfahrungen von Einwanderern in die USA, die durch die strengen Kontrollen von Ellis Island mussten. Knappe Schilderungen, profan und ohne Betroffenheit heischende Klangfiguren. Die acht Frankfurter Celli boten „Neiges“ der finnischen Komponistin Kaija Saariaho, die statt Schnee genau so gut Steinen, Wolken, Angst oder irgendetwas anderem hätten gewidmet sein können. Treffend waren Heitor Villa Lobos’ „Bachianas brasileiras Nr. 5“ mit ihrer beliebten Latino-Playback-Sensualität.

Christiane Kargs Stimme legte sich nie zu sehr in die Bewegungsform der Stücke, blieb in ihrer vibratofreien, feinen Linie stets subtil, hatte sowohl Volumen als auch Dezenz in der Tonhöhenführung. Sublim ihr pianistischer Partner. Makellos, wie man sie von ihren Konzertauftritten kennt, die HR-Solisten.

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