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Chris Eckman.
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Chris Eckman.

Chris Eckman

Chris Eckmans „Where the Spirit Rests“: Über dunkle Wasser tasten

  • VonOlaf Velte
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Das großartige Spätwerk von Chris Eckman offenbart, wo der Geist seine Ruhe findet.

Tatsächlich eine Musik, die nahebei ist, kein Adieu zulässt. Schon die Eingangszeilen der Eröffnungsnummer, klar und kalt wie felsgeborenes Wasser, reißen den Horizont auf. „The snow came early / and stayed long / deep into the spring.“ Die Kraft der Natur, die Kraft der Sprache – sich in siebenfachen Song-Durchdringungen manifestierend.

Chris Eckman, heute in Ljubljana lebend, hat sein mittlerweile fünftes Solo-Album „Where the Spirit Rests“ auf das Fundament einer spröden Zweiheit gestellt. Was akustische Gitarre und heiserer Sprechgesang vorgeben, vollendet ein meisterliches Klangkollektiv in sparsam-intensiver Zueignung. Der große Tucson-Mann Chris Cacavas ist ebenso auf der Fähre wie Catherine Graindorge oder Chuck Johnson. Ferne Gewitter, die langsam herannahen, Irrlichter und Unruhe. – Der „big shakedown“ aber verbleibt im bannenden Vers.

Knapp über 44 Minuten dauert dieses Meisterwerk, die Zuschreibungen „Singer-Songwriter“ und „Folk“ nicht suchend, nicht verneinend. Es ist bloß die ganz eigene Ausdrucksweise eines Menschen, der vor vier Jahrzehnten einer Fährte gefolgt ist und Erfahrungen angehäuft hat. Im Vorfeld der Grunge-Hysterie gründen Carla Torgerson und Eckman in Seattle das unvergessene Sextett The Walkabouts. In Europa werden die ruhelosen Folk-Rocker schließlich eine feste Größe, stets dem deutschen Label Glitterhouse Records freundschaftlich verbunden.

Er beschreitet Nebenwege

Das Album:

Chris Eckman: Where the Spirit Rests. Glitterhouse/Indigo.

Eine Vielzahl guter Platten, Auftritte und Kooperationen mündet in Nebenwege, Dehnungen. Chris Eckman hat mit Fado und Krautrock experimentiert, das Studio mit Musikern vom Balkan und aus Mali geteilt. Nach dem Ende der Walkabouts wird das Filmmusik-Genre zu einer Herausforderung, auch slowenische Landschaft, auch slowenische Lyrik.

Seine Erzählhaltung auf „Where the Spirit Rests“ vergleicht er mit jener, sich durch Beckett-Monologe raunenden, „engstirnigen Stimme“. Verzweifelnde Zärtlichkeiten, durchregnete Szenarien: „Best not to confuse / the personal and political / best not to confuse / deep felt with hysterical.“ – Gepeinigt in Schwermut ist das dennoch nicht.

Wie sein Vorbild Townes Van Zandt ist der 60-jährige US-Amerikaner ein Melancholiker von Format. „What do we really need to know?“, heißt es in dem nachdenklich-dräuenden „Northern Lights“. T. S. Eliot, W. H. Auden, Gordon Lightfoot und „some old folk song“ werden hier zu Rate gezogen: Das Gegenwärtige ist ohne Tradition, ohne überliefertes Wissen nicht vorstellbar. In dem langsamen, wie über dunkle Wasser tastenden „This Curving Track“ setzt plötzlich die Pedal Steel ein – und das Herz für einen Schlag aus.

Sieben Stücke, die sich lange bewegen, in Bildern denken. Die Fotografien zu der wunderbaren Albumverpackung hat Eckman selbst geliefert – das Video zum Titelsong ist meditative Beschwörung des Elementaren.

Und neun unvergleichliche Minuten offenbaren, wo der Geist seine Ruhe findet. Hohelied, Dichtung. Jedes Wort, jeder Ton an seinem Platz und gewichtet. Wie gelassen und bescheiden dieser schönste aller Songs ist, wie einfach und einsam.

In Chris Eckmans Stimme ist jetzt alles gebunden. All die Verwirrung, als Mensch in eine unverstandene Welt gestellt zu sein. „Here’s that rhythm again / here’s the risks we take / here’s the limits we press / out where the spirit rest.“

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