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Chilly Gonzalez im Rheingau.
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Chilly Gonzalez im Rheingau.

Rheingau Musik Festival

Chilly Gonzalez: Music is back, Motherfuckers

  • VonTim Gorbauch
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Chilly Gonzales am Klavier beim Rheingau Musik Festival.

Der Mann, den wir als Chilly Gonzales kennen, ist eine geniale Erfindung. Ein Bühnentier, eine Rampensau, ein Hasardeur und Gaukler. Ein Spieler, der sich immer wieder neue Identitäten gab, weil Wiederholung der Tod ist und Routine eine Todsünde. In Berlin, vor langer, langer Zeit, als diese fantastische Kunstfigur als selbsternannter König des Berlin-Undergrounds zum ersten Mal die Welt erblickte, inszenierte er sich als eine berstende, hedonistische Rapikone – und schwebte doch schon da zwischen Musik und Performancekunst.

Bald war ihm das zu lärmend und eindimensional. Er entdeckte die Stille des Klaviers und komponierte ganz sanfte, zart fließende Klavierstücke. Als das bald jeder machte, war Gonzales längst schon wieder weiter. In seinen besten Jahren erfand er sich mit jedem Album neu, produzierte Feist-Hits, drehte einen verschrobenen Film mit sich in der Hauptrolle oder nahm ein Streichquartett auf die Bühne, um auch mal ein bisschen mit der Hochkultur jonglieren zu können. Und nun sitzt er vor einem riesigen Bechstein-Flügel und einem kleinen roten Cembalo inmitten des ehrwürdigen Thiersch-Saals im Wiesbadener Kurhaus, als Fokus-Jazz-Artist-in-Residence des diesjährigen Rheingau Musik Festivals, obwohl er mit Jazz nun wirklich gar nichts am Hut hat. Aber was soll’s: Es gibt einfach keine Rolle, die er nicht spielen könnte.

Zuerst einmal gibt es nur Musik. Versonnen lehnt er über den Tasten und spielt aus seinen Werken für Solo-Klavier. 50 Minuten dauert es, bis er das erste Wort an uns richtet. Für Chilly Gonzales ist das ungewöhnlich, denn natürlich liebt er Musik, aber mehr noch das Spiel um die Gunst des Publikums. Ein Gonzales-Konzert war immer eigentlich eher ein Theaterstück, eine Performance mit Musik. Doch heute folgt er nur zögernd dem Lockruf des Entertainers. Ein kurzer Ausflug ans Cembalo, auf dem er schließlich auch „Take Me to Broadway“, einen alten Gonzo-Party-Klassiker seiner Berlin-Zeit, improvisiert. Dann ein bisschen Jazz-Geschichte: Dave Brubecks „Take 5“ als Walzer im Dreivierteltakt, klar, schon lustig. Aber so richtig zündet es nicht.

Alles bleibt erstaunlich brav, zumindest für Chilly-Gonzales-Verhältnisse. Erst ganz am Ende lässt er los. Spielt und erzählt, wie froh er ist, wieder hier zu sein, auf der Bühne, wo er hingehört. Wie satt er Live-Streams hat. „Music is back, motherfuckers“ ruft er uns immer wieder entgegen, als könne er es selbst noch nicht ganz glauben: Music is back!

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