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„Chaplin Operas“, hier: „The Immigrant“, vorne Holger Falk und Eva Resch. Foto: Walter Vorjohann
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„Chaplin Operas“, hier: „The Immigrant“, vorne Holger Falk und Eva Resch.

Oper Frankfurt

„Chaplin Operas“ im Bockenheimer Depot: Die Elenden

  • Judith von Sternburg
    VonJudith von Sternburg
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Die Oper Frankfurt mit dem Ensemble Modern und Benedict Masons „Chaplin Operas“ im Bockenheimer Depot.

Es ist vor allem die bedingungslose Hingabe an die Drastik der Situation, die Benedict Masons dreiteiliges (eigentlich tausendteiliges) Werk „Chaplin Operas“ mit den dafür ausgewählten Filmen Charlie Chaplins verbindet. Und Bild und Ton in ein ungewohntes Gleichgewicht bringt.

Zur Missionsversammlung in „Easy Street“ treibt uns Mason alle restliche Glückseligkeit durch das scheppeste aller frommen Lieder aus – ein Lied, in dem viele Lieder stecken, weil Masons Musik wie Chaplins Bilder alle zehn Sekunden eine neue Idee hat. Zum Gesellschaftstanz in „The Adventurer“ ist die Musik so vielfältig, zitatreich und absolut untanzbar, dass die tanzende Gesellschaft nicht mehr einfach lustig wogt, sondern in dem fragilen Wahnsinn vor uns erscheint, in dem sie sich zweifellos befindet. In „The Immigrant“ fetzt Musik aller Herren Länder vorüber, ruhelos wie Menschen, die in der Fremde ihr Heil suchen müssen, gestern und heute.

Sie schmiegt sich nicht an

Denn es ist natürlich das Gleichgewicht eines gemeinsamen Außer-Rand-und-Band-Seins, das Mason sucht. Es ist das Gleichgewicht, das entstehen kann, das sich jedenfalls andeuten kann, wenn der Komponist alle Anschmiegsamkeit vermeidet und sich eine irre Mühe gibt. Man sieht, wie Charlie Chaplin seine hurtigen Filme eben gerade nicht hurtig herstellen konnte, sondern ein fanatischer Arbeiter sein musste. Man hört, wie Benedict Masons Musik wirklich nur so tut, als sei daran irgendetwas spontan oder improvisiert. Sie passt gespenstisch gut zu den Filmen, aber sie ist nicht bloß auch dabei.

Das Projekt „Chaplin Operas“ stammt von 1989, uraufgeführt in der Alten Oper Frankfurt zum 100. Geburtstag Chaplins. Jetzt ersetzt es im Bockenheimer Depot die Uraufführung von Hauke Berheides und Amy Stebbins’ „The People Out There“, von der Oper Frankfurt angesichts der Corona-Lage verschoben.

Ein Ersatz, keine Notlösung. Das Ensemble Modern wird von Franck Ollu geleitet und ist total in Schwung. Vor dem Leinwand-Spektakel ein Spektakel mit musizierenden sowie singenden, schreienden, keuchenden, ächzenden, keckernden und pfeifenden EM-Mitgliedern, das ebenfalls sehenswert ist. Hörenswert ohnehin, denn sie geben alles. Ein Spaß für das Publikum ist harte Arbeit für die Leute auf der Bühne. Auch der Bariton Holger Falk und die Sopranistin Eva Resch müssen reden und singen und beides zugleich. Das hat pandämonische Züge, und die Texte wollte man noch einmal in Ruhe hören, überhaupt wollte man die 80 Minuten sofort noch einmal erleben, weil man natürlich auch viel lacht und abgelenkt ist wie die Polizei und die teuflische Schlägertype, denen Chaplin immer wieder entschlüpft.

Es ist dabei ein handgemachter Abend, eine Ehrlichkeit liegt im Saal, eine musikalische und eine gesellschaftspolitische, wird doch nicht nur vor Ort hart gearbeitet. Auch Chaplins Geschichten der Elenden und Verlorenen verlieren mit der Dudelmusik die Possierlichkeit, die sie für uns Bürgerliche angenehm konsumierbar macht. Während man sich jetzt kaputtlacht, denkt man immerhin, dass es da nicht viel zu lachen gibt, wenn Menschen gejagt und gehauen werden, hungrig und verzweifelt sind.

An einem Lautstärkeregler hätte man die Musik manchmal vermutlich etwas leiser gestellt. Im Theater geht das nicht, das gehört dazu. Es war aber tatsächlich ziemlich laut. Auf der Zuschauertribüne 154 Menschen, etwa die Hälfte dessen, was sonst erlaubt ist.

Bockenheimer Depot: 30., 31. Dezember. www.oper-frankfurt.de

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