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Beethoven – immer ein weites Feld, aber nicht allein auf weiter Flur. Geburtstags-Acker in Italien.
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Beethoven – immer ein weites Feld, aber nicht allein auf weiter Flur. Geburtstags-Acker in Italien.

CD-Projekt „Beethovens Welt“

„Um nicht bei all dieser Kunst vollends überzuschnappen“

  • vonStefan Schickhaus
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Reinhard Goebel fasst „Beethovens Welt“ in fünf CDs zusammen – und erweist denen Respekt, die zu Fußnoten wurden.

Am morgigen Freitag erscheint bei Sony Classical eine CD mit einem Beethoven-Werk. Kein Ding, werden jetzt manche sagen, schließlich ist fast noch Beethoven-Jubeljahr, und das umtriebige Label startete in dieses vor genau zwölf Monaten mit einer CD-Reihe namens „Beethovens Welt“. Allerdings war für die ersten vier Veröffentlichungen der auf fünf CDs angelegten Serie der Jubilar nur Zaungast, stiller Beobachter, Zentralgestirn, um den sich zwar alles drehte, der aber nicht selbst zu Wort zu kommen sollte. Nur auf einer der CDs war er mit einem kleinen „Gratulations-Menuett“ vertreten, das aber so kurz ist, dass es der Name Beethoven nicht auf das CD-Cover geschafft hat. Noble Zurückhaltung also.

Der Kopf, der da so geistreich in „Beethovens Welt“ hineinhören lässt, ist Reinhard Goebel. Früher Deutschlands kämpferischster Barockgeiger, heute als Dirigent tätig, dem historischen Instrumentarium hat er abgeschworen. Nicht aber der spitzen Zunge, der launigen Schreibe: Die Booklets zu den fünf CDs (beziehungsweise vier – für einen Text sprang der kaum weniger versierte Mainzer Musikologe Karl Böhmer als Autor auf Augenhöhe ein) lesen sich als bissig-pointierte Feuilletons über das musikalische Umfeld des Meisters. Über Komponisten, die damals leuchteten und heute im Schatten des Übermächtigen stehen. Die „verglühten zu allenfalls Fußnoten in Beethovens Biographie. Ihnen allen im Beethoven-Jahr 2020 wenigstens ein wenig Respekt zu erweisen – das war die Raison d’Être meines Projekts ‚Beethovens Welt‘“, so Goebels Intention.

Zwei Violinkonzerte von Franz Clement, dem Uraufführungsgeiger des Beethoven-Violinkonzerts sind mit dabei, eines davon in Weltersteinspielung. Ein Konzert für zwei Bratschen von Wranitzky, dem Konzertmeister der ersten „Eroica“-Aufführung. Weitere Doppelkonzerte von Hummel, Dussek und Eberl, gerade die letzten beiden ausgesprochen hörenswerte Musik. Dazu Follia-Variationen von Salieri und Eybler. Für „Beethovens Welt“ arbeitete Reinhard Goebel mit verschiedenen modernen Orchestern zusammen, auch das hr-Sinfonieorchester war beteiligt, und zwar an der vielleicht lohnendsten Aufnahme, der mit den Klavier-Doppelkonzerten und dem Pianistenpaar Tal & Groethuysen.

Die Aufnahmen

„Beethovens Welt“: Die fünfteilige CD-Reihe erscheint bei Sony Classical, Reinhard Goebel verschiedene Orchester und Solistinnen und Solisten.

Die Abschluss-CD wird am 29. Januar veröffentlicht.

Reinhard Goebel findet nicht alles automatisch gleich gut, was er da dirigiert. Bernhard Rombergs Concertino für zwei Celli und Orchester beispielsweise bekommt, völlig zu Recht, mächtig Fett weg: „Die affirmativ-biedermeierliche Terzenseligkeit mit spanisch angehauchtem Finale will in erster Linie gute Laune verbreiten und gefallen – dies ein Problem all jener Zeitgenossen Beethovens, die in ihrer Adoleszenz treu und brav Mozart und Haydn imitiert hatten und nun wie Beethoven älter, aber keineswegs reifer wurden. Ihnen war sozusagen der Gesprächsstoff ausgegangen: Inzwischen nämlich war so viel und dies bisweilen auch so verstörend gesagt worden, dass diese späten Imitate mit ihren überstrapazierten und sinnentleerten Floskeln heute den Hautgout von allenfalls Kunstgewerbe, wenn nicht gar von U-Musik verströmen.“

Ein Goebel-Satz wie ein Skalpell. Darum sollte auch, wer das Horn liebt oder gar spielt, besser seinen Text über Antonin Reichas „Rondo für Horn und Orchester“ gar nicht erst lesen.

Aber er sagt auch, mit Blick auf Beethovens Übergröße: „Dass man als Äquivalent dringend (um nicht bei all dieser Kunst vollends überzuschnappen) Kompositionen benötigte, in denen auch noch – n’importe quoi – Leben, Charme und Witz ‚rüberkamen‘. Anders formuliert: die durch Beethoven erreichte Stil-Höhe war so sublim, dass sie von einem Großteil der damaligen – und auch heutigen – Hörer gar nicht erfasst werden konnte/kann, es sei denn, dass man seine Musik auf U-Niveau runterfährt.“ Ein Romberg kann also mitunter retten vor dem Riesen.

Und um welches Beethoven-Werk handelt es sich nun bei der Veröffentlichung am 29. Januar? Es ist der nur fragmentarisch überlieferte Violinkonzert-Satz in C-Dur WoO 5, Beethoven komponierte ihn noch in Bonn, legte den Versuch aber nach 258 Takten aus der Hand. Doch in einigen Takten, nicht in allzu vielen, kann man hier hören: Beethoven ist bereits da schon in seiner ganz eigenen Welt angekommen.

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