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Caitlin Rose „Cazimi“: Ein Moment der Ermächtigung

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Von: Stefan Michalzik

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Caitlin Rose. Foto: www.caitlinrose.com
Caitlin Rose. Foto: www.caitlinrose.com © www.caitlinrose.com

Caitlin Rose befreit sich mit dem Album „Cazimi“ aus der Retrofalle.

Auf den Fotografien zu ihren Plattenhüllen präsentiert sich Caitlin Rose gerne mal in unterschiedlichen Zeitstilen, auf „The Stand-In“, ihrem zweiten Langspieler 2013, etwa nach Art der dreißiger und vierziger Jahre – und auch musikalisch betrachtet wechselt sie gerne mal die Kostüme. Nach dem Erscheinen von „Dead Flowers“ (2008), ihrer Debüt-EP, wurde die in Dallas, Texas geborene und in Nashville lebende Musikerin als eine große Hoffnung des Country gefeiert – doch lässt sich nicht behaupten, sie habe das Genre neu erfunden. Manche Songs klingen ziemlich traditionalistisch – und doch reizvoll. Beinahe schon wirkt sie wie eine Nachfolgerin Loretta Lynns.

Einen ersten Schritt musikalischer Selbstfindung markierte eine Rückbesinnung auf den Countryrock der siebziger Jahre auf dem Langdebüt „Own Side Now“ (2011) sowie auf „The Stand-In“. Bestechend war vor allem die ungeheure Frische.

Hinsichtlich der beinahe zehn Jahre, die seit „The Stand-In“ verstrichen sind, sprach die heute 35-Jährige von „ein paar Unebenheiten, die zu einigen Ausfallzeiten führten“. Auf „Cazimi“, ihrem nun erschienenen dritten Album, ist Caitlin Rose musikalisch gesehen kaum wiederzuerkennen. Nun lässt sich von einem countryaffinen Indiepop sprechen.

Da treffen sich zum Beispiel in der Ballade „Blameless“ eine Pedal-Steel-Guitar und eine Gitarre nach Art des Dreampops. In dieser neuesten künstlerischen Wende mag die Geschichte Roses eine Rolle spielen. Zwar ist sie unterm Einfluss des Country aufgewachsen, ihre Mutter Liz schrieb unter anderem eine Reihe von Songs für Taylor Swift und gewann im Jahr 2010 einen Grammy für Swifts Nummer „White Horse“, ihr Vater Johnny B. Rose vermarktete Country-Musik für große Labels. Als Jugendliche jedoch bewegte sich Caitlin Rose erst einmal in einem Punk-Umfeld.

Liebesdinge, Krassheiten

Zwei der zwölf Songs des Albums erinnern rhythmisch an Klassiker von The Velvet Underground, „Carried Away“ gleich zu Beginn an „Sweet Jane“ und „Getting It Right“, gesungen und geschrieben gemeinsam mit Courtney Marie Andrews, an „I’m Waiting For My Man“. Vor allem geht es um Liebesdinge, musikalische Leichtigkeit steht in einem scheinbaren Widerspruch zum Gehalt, der von Krassheiten und Enttäuschungen erzählt. Es gelingen Caitlin Rose großartige Zeilen wie „The way you stare from across the room/You know that it could turn a person into stone“ in „Black Obsidian“, einem Song um eine fatal wechselhafte Liebe, dessen Text mit „and then I let you bring me down again“ – und wieder lasse ich mich von dir runterziehen – weitergeht.

Gleich zu Beginn im Übrigen, in „Carried Away“, heißt es: ,,Du hast deinen Grund zu bleiben, ich habe meinen auch/Wir laufen nur vor etwas Neuem davon“. Rose spielte das Album binnen einer Woche mit einer Reihe von Nashville-Studiocracks ein.

„Cazimi“, ein Begriff aus der Astrologie, bezeichnet den Moment einer besonders engen Beziehung eines Planeten zur Sonne. Caitlin Rose spricht von einem „strahlenden Moment der Ermächtigung“. Aus der – bei aller Großartigkeit des bisherigen Werks – Retrofalle hat sie sich mit der Hilfe ihres Koproduzenten Jordan Lehning gründlich zu befreien vermocht.

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