Seiler und Speer, hier beim Konzert in Würzburg: Christopher Seiler (l.) mit Bernhard Speer.
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Seiler und Speer, hier beim Konzert in Würzburg: Christopher Seiler (l.) mit Bernhard Speer.

Musik

Ein Cabrio wär' doch schön

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Was Thomas Müller und David Alaba gerne mal beim Vereinsfest grölen: Das Austro-Pop-Duo Seiler und Speer und ihr neues Album "Und weida?"

Muss es denn ein Problem sein, wenn Fußballprofis wie Thomas Müller und David Alaba Fans von dir sind und deine Lieder auf Vereinsfesten des FC Bayern grölen? Dem Austro-Pop-Duo Seiler und Speer ist dergleichen mit dem Indie-Hit „Ham kummst“ widerfahren, in dem sie vor zwei Jahren die äußerst fragwürdigen Folgen einer durchzechten Nacht besangen. Akustisch, aber recht rockig, im Wiener Dialekt, aber unmissverständlich, irgendwie bekannt, aber auffällig anders.

Die Legende dazu geht so, dass der Schauspieler Christopher Seiler und der Filmemacher Bernd Speer sich eher aus einer Laune heraus zu einem Bandprojekt zusammengetan haben, das dann ernst wurde. „Ham kummst“ geriet in die Erfolgsspur. Beim Echo-Pendant, dem Amadeus Austrian Music Award 2016, wurden Seiler und Speer gleich zweimal ausgezeichnet: für den besten Song des Jahres sowie in der Kategorie Songwriter des Jahres.

„Und weida?“ haben Seiler und Speer sich dann gefragt und so ihr zweites Album benannt, das musikalisch spürbar verfeinert ist, ohne jedoch die ruppige Bodenständigkeit des Erstlings preiszugeben. Seiler und Speer singen über kleine Verlierer und deren große Gefühle. Und die Sehnsucht nach dem besseren Leben – Cabrio-Fahren und All-inclusive-Urlaub – mündet nicht selten in dem Eingeständnis des gleich um die Ecke lauernden Scheiterns.

Das Duo scheint nichts dagegen zu haben, in eine Schublade gepackt zu werden. Ihren Stil bezeichnen sie als Austro-Pop, und selbst wenn man sich dagegen wehrt, kommt man doch nicht daran vorbei, sie in der langen Geschichte des österreichischen Liedermacherei zwischen Wolfgang Ambros und Wanda zu verorten.

Das liegt an der auch bei Christopher Seiler und Bernd Speer spürbaren Lust an allem Vergänglichen. Als kulturelles Erbe ist das Habsburgische tief eingebrannt. Ein fester Akteur im Austro-Pop-Genre ist übrigens die Figur des Sandlers, eine Bezeichnung, die im Wiener Jargon sympathischer klingt als das despektierliche Wort Penner. Seiler und Speer kokettieren auch äußerlich mit der Sandler-Existenz. Und sie können melancholisch. In „Foin“ besingen sie vom Baum fallende Blätter und „und auf einmal zieht das Leben vorbei.“

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