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Omer Klein bei seinem grandiosen Soloauftritt in der Alten Oper.

Alte Oper

Pandemically small

  • vonStefan Michalzik
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Die Alte Oper bietet Klassik und Jazz aus Frankfurt ein Forum.

Von einem „tastenden Beginn“ sprach Markus Fein, der neue Intendant der Frankfurter Alten Oper. Tastend, das gilt auch für den Zuspruch des Publikums: Ungeachtet des beschränkten Platzangebots war der Große Saal nicht ausverkauft. Selbst wenn es um eine Art von Potpourri in zwei Teilen – „Bühne für Frankfurt: Klassik“ am späten Nachmittag und „Bühne für Frankfurt: Jazz“ am Abend – ging, so war es durchgehend hochkarätig besetzt. Das ließe sich ebenso gut als repräsentativer Querschnitt für die Musikszene der Stadt auf Goethe-Instituts-Tour durch ferne Länder schicken. Leitend der Gedanke, den existenziell gebeutelten Musikern zu helfen.

Das auf Originalinstrumenten spielende Orchester La Stagione Frankfurt, gegründet Ende der 80er von dem im vergangenen Jahr emeritierten Block- und Traversflötisten Michael Schneider, spielte mit herausfordernder Verve die Sinfonie in B-Dur von Johann Gottlieb Graun (1703-1771), Hofkomponist bei Friedrich II. und zu Lebzeiten an Berühmtheit Bach nicht nachstehend. Nicht minder spektakulär zupackend wie dynamisch fein differenziert die Sinfonie A-Dur op. X,6 von Carl Friedrich Abel (1723-1787), Graun gleich einer der Komponisten des Aufbruchs an der Schwelle vom Barock zur Klassik. Wie desgleichen Telemanns Doppelkonzert in e-Moll mit Karl Kaiser an der Travers- und Michael Schneider an der Blockflöte.

Einen nicht minder starken Eindruck hinterließen das Aris Quartett und der Pianist Christopher Park mit Schumanns Klavierquintett in Es-Dur op. 44, dem Urstück der Gattung, in einer phänomenalen kammermusikalischen Beredtheit.

Wie für Fellini

Eröffnet hatten das Konzert die als Frankfurt Chamber Brass firmierenden Bläser der Oper – sie verzichteten zugunsten der freiberuflichen Kollegen auf ihre Gage – mit schillernder Buntheit von den niederländischen Tänzen aus der auf 1551 zurückgehenden Sammlung von Tilman Susato bis zur als „wie für Fellini gemacht“ zu charakterisierenden Fernsehmusik Jim Parkers.

Auf höchstem Niveau auch das Jazzkonzert am Abend. Mit wirkungsmächtigem Furor betreibt das Quartett Ragawerk um den Gitarristen Max Clouth sowie Georg Boeßner, Keyboards, Peter Fuskas, Bass, und Martin Standke, Schlagzeug, eine funkensprühende Jazzfusion mit indischer Durchwirkung. Der Pianist Omer Klein, mit grandiosem Soloauftritt in Erscheinung tretend, erinnert in ausgreifend improvisatorischen eigenen Kompositionen gerne mal an den frühen Jazz, mit Anklängen an das Stride Piano eines Fats Waller. Popnummern von George Harrison und Neil Young durchsetzt er mit eloquentem, querschlägerischem Zunder. Und selbst wenn er, wie in „What a Wonderful World“, sehr nah an der Melodie bleibt, macht er etwas markant Eigenes daraus.

Blendend aufgelegt das hr-Jazzensemble, (mit dem Zusatz p. s. für „pandemically small“), besetzt mit Christof Lauer, Saxofon, Stefan Lottermann, Posaune, Sebastian Sternal, Klavier, dem Bassisten Bastian Weinig sowie John Schröder am Schlagzeug. Ein draufgängerisches All-Star-Ensemble, das diesmal offenbarte, dass auch die konventionelle Solostafettenstruktur im Jazz nach wie vor die prächtigsten Blüten zu tragen vermag. Lottermann hat in jeder Hinsicht die Statur, um an Albert Mangelsdorff anzuschließen, in einer Art des freisinnigen Stilzitats gar in dessen Komposition „Danke, Hut ab“.

Am Rande ließ Christof Lauer durchblicken, dass die Zukunft des 1958 mit Mangelsdorff als Leiter gegründeten Ensembles neuerlicher Sparerwägungen wegen ungewiss ist. So töricht, ein sich stetig erneuerndes Jazzlabor über die Klinge springen zu lassen, sollte der Sender nicht sein.

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