Frankfurt

Oum in der Brotfabrik: Jetzt ist die Zeit...

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Tradition und Moderne: Die marokkanische Sängerin Oum in der Frankfurter Brotfabrik.

Der Saal ist in einen dunstigen Nebel und den Geruch von Weihrauch gehüllt, am Rand der Bühne ist eine Salzsteinleuchte postiert. Mitnichten jedoch ist es ein esoterisch geprägter Abend, der einen da erwartet. Eine Afrofrisur – doch die Haare erweisen sich bei genauem Hinsehen als ein Gebüsch: Derart präsentiert sich Oum in der Cover-Ikonografie zu ihrem neuesten Album „Daba“, dem dritten, das seit 2015 international veröffentlicht worden ist. Es gibt einzelne Songs bei diesem Konzert in der Frankfurter Brotfabrik, die die marokkanische Sängerin und Songschreiberin dem Wald oder dem Ozean widmet. Daba, lässt sie im Übrigen wissen, heißt im marokkanischen Arabisch „Jetzt“ – und jetzt sei die Zeit, um die Dinge zum Besseren zu bringen.

Musikalisch noch einmal zeitgenössischer als bei ihrem Auftritt im Palmengarten vor drei Jahren (und auch auf dem jüngsten Album) präsentiert sich Oum diesmal. Damals führte sie noch eine Perkussionistin in ihrem Ensemble, diesmal ist es besetzt mit E-Bass, Trompete, der arabischen Knickhalslaute Oud sowie einem Musiker am Elektronikpult, der darüber hinaus Altsaxofon spielt. Zu Beginn ist ein ostinates Sample mit dem Klang des Lamellophons Mbira zu hören, darüber legt sich der elektrifizierte Bass mit einem Jazzgroove. Der milde wiegende perkussive Beat erinnert an die Trancemusik der spirituellen Gnawa-Bruderschaften, deren Krakebs, das sind scheppernde Metallkastagnetten, Oum selbst in etlichen Nummern verwendet.

Es ist der Standpunkt der Moderne, von dem aus Oum El Ghaït Benessahraoui, wie die 41-Jährige mit vollem Namen heißt, auf die musikalische Überlieferung des Maghrebs zurückgreift und Orient und Okzident überein bringt. Das tut sie mit einer gänzlich anderen, bewussteren und einlässlicheren Haltung als die gängige, schlagernahe Popmusik. Hier geht es um mehr als das bloße Kolorit. Manche ihrer Songs – Oum singt in der Landessprache, die Stimme ist ein wenig kehlig, vereinzelt setzt sie Triller – neigen zum Chanson, die milde beschwingten „Tanzkracher“ sind weiter hinten im Programm platziert.

Es ist sehr viel möglich, bis zu einem furiosen Jazzfunksolo von Carlos Mejias am Altsaxofon. Und wenn Camille Passeri den Trompetenklang mit Dämpfer sowie Hall- und Echoeffekten schattiert, lässt das den Einfluss eines Nils Petter Molvaer erkennen.

Gleich was da alles mitschwingt in dieser Musik einer Überlagerung der Stile, zwischen Anklängen von Jazz, Soul und Funk, Afrobeat und Trancemusik – das Resultat stellt sich kristallklar und unprätentiös dar, überfrachtet wirken die Arrangements nicht.

In einer ihrer Conférencen kommt Oum El Ghaït Benessahraoui auf die Rolle der Frauen zu sprechen, klare Worte sind aber vor allem in der Ankündigung des Konzerts zu lesen. Sie finde es wichtig zu zeigen, dass sie eine gläubige Muslimin sein kann, auch ohne dass sie ein Kopftuch trage. „Ich bin Muslimin, aber ich bestimme über mein Leben.“

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