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Lieber mit Privatflugzeug als unpünktlich: Mladen Solomun.
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Lieber mit Privatflugzeug als unpünktlich: Mladen Solomun.

DJ Solomun

„Es brodelt da in mir“

  • Arne Löffel
    VonArne Löffel
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Über Empathie und Hypnose, After-Party-Parties und aktuelle Pläne: Ein Strandspaziergang mit DJ Mladen Solomun.

Der letzte Tanz ist immer ein besonderer. Das gilt auch für Raves. Das letzte Stück ist die Visitenkarte des DJs. Mladen Solomun hat sich für eine selbstgemachte Variation des Doors-Klassikers „Riders On the Storm“ entschieden. Als der verträumte Piano-Lauf einsetzt, geht ein Raunen über die Tanzfläche – nicht nur bei den Best Agern mit Rave-Vergangenheit.

Vielen DJs würde man hier nun Effekthascherei unterstellen, aber Solomun setzt bekannte Melodien wohldosiert ein. „Ich finde es schwierig, berühmte Stücke zu spielen. Aber ,Riders On the Storm‘ ist etwas Besonderes“, erklärt Solomun. Angetan habe es ihm hier insbesondere die Textzeile „take a long holiday, let your children play“, sagt er bei einem Spaziergang am Strand von Ibiza. „Mir wurden schon vor einiger Zeit die Tonspuren des Original-Stückes überlassen, damit ich daraus etwas mache.“ So richtig dazugekommen sei er noch nicht.

„Take a long holiday“: Von außen betrachtet mag es tatsächlich wie ein langer Urlaub anmuten, wenn Solomun von seinen Sommermonaten auf Ibiza berichtet. In der Hochsaison ist die beim internationalen Party-Jet-Set beliebte Baleareninsel zur zweiten Heimat des 40-Jährigen geworden. Hier spielt der Hamburger mit bosnischen Wurzeln sonntags im renommierten Club „Pacha“ – an 21 Wochenenden hintereinander.

Solomun ist hier ein Superstar. In den meisten deutschen Städten, von seiner alten Heimat Hamburg abgesehen, kann Solomun hingegen noch unerkannt über die Straße gehen. Das liegt unter anderem daran, dass er seinen weltweiten Erfolg nicht mit Selbstdarstellung und -vermarktung, sondern mit einem untrüglichen Gefühl für das richtige Timing begründet hat. Solomun weiß, wann er mit welchen Mitteln, zum Beispiel einem satten Basslauf, einem Stück oder einem Dancefloor neues – oder überhaupt erst – Leben einhauchen kann.

Der Schlüssel hierzu ist für Solomun die Empathie. „Wenn ich auf einer Party auflege, dann suche ich mir immer vier oder fünf Personen auf der Tanzfläche, mit denen ich Blickkontakt halte. Natürlich ist es auch wichtig, die ganze Tanzfläche im Auge zu haben, aber im Grunde richte ich mein Set an diesen Menschen aus“, verrät Solomun. Das seien möglichst unterschiedliche Personen, eins haben sie aber alle gemein: Sie hören zu und feiern nicht nur sich selbst.

„Ich suche mir immer einen, der die Musik richtig fühlt, auch mal die Augen zu hat, bei den Flächen mitgeht. Dann einen Skeptiker, der nur langsam in Fahrt kommt. Und immer auch eine Gruppe von Leuten, die Spaß miteinander haben.“ Sein Ziel sei, dass sie alle tanzen und einen guten Abend haben. „Let your children play.“ Solomun, der Star der Nacht, tut sich schwer damit, diese psychische Verbindung zu „seinen“ spielenden Kindern wieder zu lösen.

Die Party nach der Party

„Rapport“, nennt er diese Beziehung; der Begriff stammt aus der Hypnose-Therapie. Um diesen Rapport noch etwas länger bestehen zu lassen, gibt es nach der Party im Pacha stets die After-Party auf einer Finca irgendwo in den ibizenkischen Bergen. Wer mitkommen darf und soll, entscheidet Solomun, indem er vom DJ-Pult aus Armbändchen an die ihm besonders ans Herz gewachsenen Partygäste verteilt. So kann sich ein Sonntag gern mal bis Montagabend ausdehnen.

Abgesehen von seiner eigenen „+1“-Partyreihe besuche Solomun aber keine Feiern auf Ibiza, wie er betont. „Wenn ich nicht auflege, gehe ich nicht aus. Das würde ich sonst nicht schaffen.“ Das Pensum des Sommers überhaupt zu bewältigen, sei dem Ambiente und – abseits des Partyvolks – der Ruhe auf der Insel geschuldet. „Wenn ich dienstags frei habe, dann gehe ich immer zuallererst ins Meer. Das lädt mich wieder auf.“ Abgesehen davon sei der Sommer für ihn alles andere als Urlaub. Mittlerweile ist Solomun so beschäftigt, dass er sich eigentlich ab und an selbst im Flugzeug über dem Mittelmeer entgegenkommen müsste.

Tatsächlich reist Solomun im Privatflugzeug von Auftritt zu Auftritt, weil ihm pünktliches Erscheinen bei seinen Shows sonst nicht möglich wäre. „Während der Ibiza-Saison spiele ich nur in Europa, um die Wege kurz zu halten. Aber das bedeutet, dass ich dann im Herbst, Winter und Frühjahr in Südamerika, USA und in Asien spiele.“ Nur am Anfang des Jahres nimmt sich Solomun eine Auszeit vom Job. Zwei Monate Privatleben. Diese Zeit verbringt er oft in seiner zweiten Heimat, in Luxembourg. „Da ist es ruhig und überschaubar.“ Gelandet sei er dort der Liebe wegen, schon vor vielen Jahren. Oft sei er allerdings auch in Hamburg, sieben Autostunden entfernt. Die Fahrten nutze er, um mit seinem ebenfalls aus Hamburg stammenden Geschäftspartner die wichtigsten Dinge zu besprechen.

Anfang des Jahres beschleiche ihn in Luxembourg immer wieder ein Gedanke: „Da der Affe lernt, beschließe ich jedes Jahr aufs Neue, weniger Engagements anzunehmen. Aber es kommt immer anders.“ Das Geschäft lebe von internationaler Kontaktpflege. Vorrangig ums Geld geht es Solomun bei kolportierten Tagesgagen im fünftstelligen Bereich nicht mehr primär. Mittlerweile trage er zwar Verantwortung für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, trotzdem könne er die eine oder andere vermeintliche Goldgrube links liegen lassen. „Ich hätte zum Beispiel als Resident-DJ für unglaublich viel Geld in einem Club in einem Wüstenstaat spielen können. Das muss dann aber doch nicht sein“, sagt er.

Anerkennung erhielt Solomun auch von offizieller Seite. Neben Auszeichnungen als bester internationaler DJ hält er auch einen Preis als bester Produzent und als bester Remixer in den Händen. Veröffentlicht hat Solomun indes nur ein eigenes Album – und das war im Jahr 2009. Dazu kommt allerdings eine ganze Flut von EPs und Remixen. „Aber für ein eigenes Album hat mir schlicht die Zeit gefehlt“, sagt er.

„Druck ist immer da“

Einem Album komme eine besondere Bedeutung im künstlerischen Schaffen eines Musikers zu. „Das sollte man nur angehen, wenn man wirklich was zu erzählen hat. Seit einem oder zwei Jahren brodelt’s da in mir.“ Der Schaffensdruck steigt. Genau wie der Erfolgsdruck. „Druck ist immer da, den mache ich mir vor allem selbst“, sagt Solomun. Damit könne er gut umgehen, habe ein gutes Selbstbewusstsein entwickelt. „Ein Album wird nie perfekt sein. Es ist immer eine Momentaufnahme.“ Das gebe er als Labelchef auch seinen Schützlingen mit auf den Weg. Was heute den Künstler bewegt, kann morgen etwas ganz anderes sein. Wichtig sei, dass ein Künstler in dem Moment damit zufrieden ist. Dann seien die Stücke gut.

„Ein gutes Stück muss für mich nicht immer tanzbar sein. Aber es muss mich beim zweiten oder dritten Hören immer noch begeistern.“ Solche Stücke seien es, die Solomun auf die gerade veröffentlichte Compilation zum Zehnjährigen seines Labels Diynamic gepackt hat. „Ich habe den Künstlern gesagt, dass sie was Neues, was Gutes produzieren sollen.“

Auf unglaubliche Verkaufszahlen hofft Solomun trotzdem nicht. Die wirtschaftliche Bedeutung von Alben, Compilations oder Mix-CDs sei eher gering, sagt er. „Wir wollten einfach das Zehnjährige gebührend feiern und da gehört außer einer Party auch eine Compilation dazu.“ Das sei gut für die Künstler, die sich so noch einmal neuen Leuten präsentieren könnten, und den Zusammenhalt des Teams.

Einen großen Gewinn verspricht sich Solomun nicht, auch nicht beim derzeitigen Verkauf einer weiteren Compilation mit den besten Solomun-Remixen aus den Jahren 2009 bis 2015. Darunter sind zwar bekannte Acts wie Lana Del Rey, Paul Kalkbrenner und die Editors. „Aber hier verdienen wir wirklich kein Geld, weil wir die Verpackung so aufwändig gestaltet haben.“ CDs wie Vinyl sind in einer Box verpackt, die einem Malbuch gleicht. Dabei liegt auch eine Packung Wachsmalstifte. „So können die Leute ihren eigenen Remix vom Albumcover machen. Das fand ich ganz passend und macht ihnen bestimmt Spaß.“ Auch hier ist sie wieder, die Brücke zu Jim Morrison: „Let your children play.“

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