"Ein deutsches Requiem" in Heddernheim

Botschaft mit Leib und Seele

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Die Thomaskantorei bot in Heddernheim das, was vielen professionellen Chören beim "Deutschen Requiem" abgeht: den Sinn der musikalischen Botschaft mit Leib und Seele zu beglaubigen. Von Bernhard Uske

Selig sind die Toten" - das hätte am Totensonntag zweifellos auf ungläubige Ohren stoßen können. Nicht so in der St.Thomaskirche in Heddernheim. Dort brach regelrecht Jubel aus und Johannes Brahms, dem Schöpfer des totenseligen "Deutschen Requiems" hätte das sicher gefallen. Der Sinn seiner musikalisch so ambitionierten Botschaft, dass die Lebenden sich um die Verstorbenen nicht sorgen mögen, sofern diese im Herrn und in der Gewissheit der getanen Werke verschieden sind, war im vollbesetzten Gotteshaus verstanden worden. Das protestantische Hauptwerk nach Bach und Mendelssohn Bartholdy stieß hier nicht nur auf offene Ohren sondern war auch bekennerhaft engagierten Kehlen entströmt.

Die Thomaskantorei bot das, was vielen professionellen Chören beim "Deutschen Requiem" abgeht: den Sinn der musikalischen Botschaft mit Leib und Seele zu beglaubigen. Großartig die fließenden Vokallinien im zentralen 4.Satz "Wie lieblich sind deine Wohnungen Herr Zebaoth", phänomenal triumphalistisch "Der Tod ist verschlungen in den Sieg", bohrend das "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras". Wortreguliert nennt man die protestantische Liturgie - wortregulierte Ausdruckskraft war diese Aufführung. Ernst-Wilhelm Schuchhardt hielt alle Klangprozesse streng in rhythmischem Zaum und klarem Profil, dem hier wie bei dem zu Beginn gegebenen "Schicksalslied" auch das Kantatenorchester St.Thomas diente. Sieglinde Schneider und Johannes M. Kösters waren ungemein pointierte Solisten. Kösters Bariton bot ein Timbre, das die Gefasstheit der Totenreflexion von fahler Deklamation bis zum affektuösen Ausbruch fesselnd realisierte.

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