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Diana Damrau gab einen Liederabend in Frankfurt.

Diana Damrau

Bögen im Mondschein

Die gefeierte Sopranistin Diana Damrau gab in Frankfurts Alter Oper einen Liederabend mit Werken von Fauré, Debussy und Richard Strauss - so uneitel wie selten eine Diva. Von Stefan Schickhaus

Von Stefan Schickhaus

Es gibt sie, die Opernsängerinnen, die auf den ganz großen Bühnen stehen, aber keine solche für sich in Anspruch nehmen. Diana Damrau ist dabei diejenige, die einem als erste einfällt. Die 28-Jährige aus Günzburg ist zwar das deutsche Sopran-Aushängeschild im Koloraturfach, doch färbte der Hang zu den vielen hohen Tönen nicht negativ auf ihre Persönlichkeit ab.

Wenn über Damrau, die von 2000 an kurz im Ensemble der Oper Frankfurt sang und von hier aus eine rasante Solokarriere startete, in Porträtform geschrieben wird, wird gerne auf ihren charmanten süddeutschen Zungenschlag hingewiesen und darauf, dass sie im Schatten des "Legoland"-Familienparks in Bayrisch-Schwaben aufgewachsen ist. So wird das Bodenständige betont, das Bescheidene, das Uneitle. Wer derart von der Basis kommt, kann gar nicht abheben.

Beste Voraussetzungen also für die Liedsängerin Damrau, denn genau diese Anti-Diva-Qualitäten machen Liedgesang erst möglich. So war der jüngste Liederabend, den Diana Damrau mit dem Wiener Meister-Klavierbegleiter Helmut Deutsch in der Alten Oper Frankfurt gab, eine ungemein innige Angelegenheit.

Geschmeidige Keckheit

Der Raum war natürlich zu groß ("Sie sind so weit weg - kommen Sie doch nach vorne", so die Sängerin an das Publikum), der Rahmen hätte noch viel intimer sein müssen gerade für die französischen Traum-und Mondschein-Lieder von Gabriel Fauré und Claude Debussy. Doch Diana Damraus Kunst der großen Bögen, ihr Mut zum vokalen Windhauch (in Faurés op.23/2 "Notre amour") und ihre geschmeidige Keckheit vermittelten sich auch auf die Distanz.

Auch das ist Basisarbeit: So gut wie kein einziges Lied ihres Programms gehörte zum Standardrepertoire. Nur der letzte Liedblock von Richard Strauss, mit dem "Wiegenlied", mit "Morgen" und "Cäcilie" hatte einigermaßen Hit-Charakter, wobei sich Diana Damrau in den Beginn von "Morgen" mit einer Eleganz und Weichheit hineinschlich, die man so auch noch nicht gehört hatte.

Charmant auch ihr Einsatz für den Nachwuchs: Fünf Lieder des 29-jährigen Neoromantikers Iain Bell stellte Damrau erstmals in Frankfurt vor - eines britischen Komponisten, der eine Vorliebe für Dreiertakte und Satie-verwandte Klavierpendel hat und für Damrau Texte seiner einstigen Königin Victoria auf durchaus offenherzige Weise vertonte. Vom Podium musste sie ihn mit leiser Gewalt wieder herunterziehen.

Großer Applaus in der Alten Oper für die Kurzzeit-Frankfurterin - die sich wiederum mit einer tiefen Verbeugung vor Helmut Deutsch verneigte. Ihre Nähe zum Boden ist einfach wohltuend.

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