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Bob Dylan 2012 in Los Angeles auf der Bühne.
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Bob Dylan 2012 in Los Angeles auf der Bühne.

Musikindustrie

Bob Dylan kassiert ab: Verkauf seiner Song-Rechte bringt Millionen

  • Harry Nutt
    vonHarry Nutt
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Bob Dylan hat die Rechte an seinen Songs für rund 300 Millionen Dollar verkauft. Ihren Marktwert hat er schon immer selbst bestimmt.

Santa Monica - Es war fast schon putzig, wie bemüht einige Agenturen am Montag waren, die Bedeutung dieses Mega-Deals der Musikindustrie zu unterstreichen, demzufolge der Literaturnobelpreisträger Bob Dylan die Rechte sämtlicher seiner Songs an den US-amerikanischen Musikverlag Universal Music Publishing Group veräußert habe. Die Magie der großen Zahl ging dabei in zwei Richtungen: Mindestens 300 Millionen Dollar sollen geflossen sein für über 600 Songs, die Bob Dylan im Verlauf seiner Karriere geschrieben und zum großen Teil auch selbst aufgenommen hat. Bob Dylan hat sich selbst einmal eher verwundert darüber gezeigt: „Keine Ahnung, wer all die vielen Dylan-Songs geschrieben hat.“

Bob Dylan im Musikbusiness: Er behielt stets die Kontrolle

Wenn der Name Dylan ins Spiel kommt, geht es natürlich um mehr als nur den Verkauf von Rechten an Stücken wie „Blowin’ In the Wind“, „Knockin’ On Heaven’s Door“ und „Like a Rolling Stone“. Hier geht das Lebenswerk eines Songschreibers über den Tresen, der es wie kein anderer Musiker verstanden hat, die Früchte seiner Produktivität auch verlegerisch zu verwalten. Seit den frühen sechziger Jahren war Dylan nicht bloß ein Teil der US-amerikanischen Musikindustrie, er hat sie auch verändert und vielen Musikern und Musikerinnen ein Beispiel gegeben, wie ein einzelner Künstler die Kontrolle über sein Werk behalten kann.

Die Musikwelt, die Dylan vorfand und in die er hineinwollte, war beherrscht von den sogenannten Geschäftspraktiken der Tin Pan Alley. So wurde in New York die 28. Straße zwischen Fifth und Sixth Avenue genannt, an der sich die einflussreichen Musikverlage befanden. Sie beschäftigten Texter, Komponisten und Arrangeure, die nach dem richtigen Sound fahndeten und die passenden Musiker dazu suchten. Songschreiber, die mit der Tin-Pan-Alley-Ära in Verbindung gebracht werden, sind etwa George Gershwin, Cole Porter und Irving Berlin. Das Geschäftsmodell war einfach. Man schrieb einen Song und verkaufte ihn an einen Verlag, der ihn liegen ließ oder einen Interpreten dafür fand.

Natürlich gab es musikalische Milieus, die da nicht mitmachten. In der Folk-Szene wuchs, neben der Interpretation der überlieferten Tradition, der Ehrgeiz, eigene Stücke zu schreiben wie Woody Guthrie. Der sang „This Land Is Your Land“, aber er verfestigte auch die Position: Mein Lied gehört mir.

Eigene Komposition, eigene Texte: Ein Markenzeichen des frühen Bob Dylan

Als Bob Dylan die Szene in Greenwich Village fand und belebte, trat er nicht nur in Woody-Guthrie-Pose auf, sondern lieferte zu deren Bekräftigung auch Dutzende selbstgeschriebene Songs. Das Besondere an den frühen Bob-Dylan-Alben bestand darin, dass sie spätestens seit „The Freewheelin‘ Bob Dylan“ aus dem Jahr 1963 von einem Sänger eingespielt worden waren, der die Songs komponiert und getextet hatte. 

Bis auf wenige Ausnahmen behielt Dylan dieses Prinzip in seiner über 60-jährigen Karriere bei. Eines dieser Ausnahme-Alben trug den selbstironischen Titel „Selfportrait“, auf dem Dylan Songs von Paul Simon, Gordon Lightfoot, Gilbert Becaud, Allan Lomax und anderen sang. Eine späte Reverenz erwies Bob Dylan erst vor wenigen Jahren den Songschreibern der 30er und 40er Jahre, denen er die Alben „Shadows In the Night“, „Fallen Angels“ und „Triplicate“ widmete. Mit den sogenannten Sinatra-Liedern gab Bob Dylan auch auf der Bühne den Crooner, der einen Streifzug durch die Musikgeschichte der Vereinigten Staaten unternimmt.

Je wichtiger die Songschreiberei wurde, desto mehr Marktmacht büßten die Verlage ein

Mit dem Bedeutungszuwachs der Songschreiberei, der in erster Linie über Bob Dylan verlief, schwand bald die Marktdominanz der Verlage an der Tin Pan Alley. Bob Dylan hatte nicht gerade im Alleingang, aber sehr wohl mit dem Beharrungsvermögen eines künstlerischen Gesamtwerk-Anspruchs die Mechanismen der Song- und Albumproduktion revolutioniert. Die Zeit war insgesamt reif für ein anderes Werkverständnis, und Bob Dylan hatte diesem seinen Stempel aufgedrückt.

Für eine kurze Zeit hat er es übrigens auch andersherum probiert. Als er sich nach einem Motorradunfall im Jahre 1966 mit The Band in der Nähe von Woodstock zurückgezogen hatte, schrieb er Dutzende Songs, die er anderen Musikern anbot, darunter „Quinn The Eskimo“ (Manfred Mann), „Wheels On Fire“ (Julie Driscoll, Brian Auger & Trinity) oder auch „Too Much Of Nothing“ (Peter, Paul & Mary). Dass Bob Dylans Beispiel nicht für jeden plausibel war, beweist eine Episode um The Band. Deren Mitglieder gerieten später in einen Rechtestreit, weil viele von ihren Songs vom Gitarristen Robbie Robertson stammten, der auch die Kompositionsrechte dafür geltend gemacht hatte, während die Kollegen zwar spielten, was er ihnen schrieb, ohne sich aber weiter darum zu kümmern, was aus den Songs rechtemäßig wurde. Später nahmen sie ihm übel, dass er die Tantiemen nicht teilen wollte.

Bob Dylan: Nicht nur ein guter Musiker, auch ein guter Geschäftsmann

Die nun bekanntgegebene große Weitergabe des Dylan-Werks bezieht sich mutmaßlich auf den Verlag, in dem Bob Dylan die Rechte seiner Werke gebündelt hat. Selbst ein Weiterverkauf entrechtet den mittlerweile 80-Jährigen deswegen nicht beim weiteren Umgang mit seinem Werk, das er bis zu Beginn der Corona-Pandemie in über 50 Konzerten pro Jahr auf die Bühne brachte. In der Regel verbleiben 60 Prozent der Werkrechte beim Künstler.

Bob Dylan aber hat einmal mehr bewiesen, dass das Masterpiece seiner Karriere nicht allein im unermüdlichen Schreiben neuer Songs bestand, sondern auch in der sach- und marktgerechten Verwaltung seines musikalischen Erbes. Der Dichter ist nicht bloß Dichter, früh hat er auch den Ruf erworben, ein guter Geschäftsmann zu sein. (Harry Nutt)

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