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Die drei von Miraculous Mule.

Miraculous Mule

Mit der Blues-Uzi

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Das neue Album "Two Tonne Testimony" von Miraculous Mule begibt sich in schweres Wetter.

Das Mischwesen zeigt sein anderes Antlitz. Es ist 2017, und die Londoner Band Miraculous Mule verlegt sich auf Gewichtiges. Das neue Album „Two Tonne Testimony“ liefert keine einzige Nummer zum Durchschnaufen, nichts Leises oder gar Besinnliches. Zehn Songs, in denen sich Zorn, Anklage und Aufruf deutlich artikulieren, denen Überschriften wie „Where Monsters Lead“ oder „They Cut We Bleed“ mitgegeben sind. Im „Monsters“-Video ist die Schlagrichtung auch visuell gestaltet: Zum gepanzert-treibenden Shuffle geistern die Trumps und Putins dieser Welt vorbei, eine unheilvolle Versammlung von Zombies und Menschenfressern. „Don’t look for mercy in their eyes.“

Trotz all der in harten Siebziger-Rock verpackten Aufrichtig- und Korrektheiten will die nunmehr vierte Veröffentlichung des Trios nicht vollends überzeugen. Zu viel Gutes war von Schlagzeuger Ian Burns sowie den Brüdern Michael J. Sheehy (Gitarre, Gesang) und Patrick McCarthy (Bass) schon zu hören. Ihr wundertätiges Maultier stampft jetzt mit hohem Tempo durch ein karstiges Geläuf aus Schrei und Schlag. Schwer beladen, hart im Wetter. Wird es sich dabei den Hals brechen, in die Böschung stürzen? – Die kommende Etappe wird es zeigen.

Jene „Black Magic“, die einmal beschworen wird, hat sich verflüchtigt. Hier und dort klingt es noch an, wird aber gleich wieder erdrückt, überlagert. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Für sich genommen, ist „Two Tonne Testimony“ ein Kracher mit herausragenden Titeln. Da hebt der große Bluesrock – alt wie die Arche Noah – mit „They Cut We Bleed“ sein steingraues Haupt, erinnert „Blues Uzi (The Reprisal)“ noch einmal an die gerade beendete Vergangenheit.

Dort, am Schluss der Platte, wird Sheehy – endlich! – zum Preacherman eines verheißungsvollen Gegenchristentums, zum Weckrufer, der sich ins sämige Flusswasser begibt. Der ganze Muff und Sumpf wird plötzlich auf andere Art und Weise trocken gelegt, fruchtbar gemacht.

Vor sechs Jahren hat sich die Truppe in England zusammengetan, seitdem die Köstlichkeiten „Miraculous Mule“, „Blues Uzi“ (beide im Mini-Format) und „Deep Fried“ in die Welt entlassen. Zu dieser unverzichtbaren Dreiheit gehört die treffsichere Selbstauskunft des leitenden Ideengebers Michael J. Sheehy: Als „Anglo-Irish Honkeys“ habe man sich der Richtung Blues, Gospel, Worksong und Hillbilly verschrieben. Mit Haut und Haar, selbstverständlich. Und es waren aufregende Zeiten. Und eine begnadete Dame mit Namen Alex Louise Petty gab ihre Stimme dazu. (Ja, auf dem neuen Album ist sie auch ein bisschen zu vernehmen).

Wer ein wenig Zeit übrig und einen persönlichen Internetzugang hat, sollte sich die beiden Akustik-Sets aus dem Londoner „Regent Sounds Guitar Shop“ anhören. Kraft, Tiefe, Voodoo. Soul und Funk und roher Rythm’n’Blues. Lange waren solche Bearbeitungen nicht mehr zu hören. Ein Jahrhundert Musik tropft ins Jetzt. Alleine die Version von Blind Willie Johnsons „City of Refuge“ lohnt die ganze Messe.

Wer dem Maultier die Ehre erweist, darf auch seine Ahnenreihe kennen: Captain Beefheart und Alex Chilton, Tav Falco und Dr. John. Mischwesen allesamt, eine zähe Bande. Miraculous Mule wird auf sie zurückkommen. Keine Frage.

Miraculous Mule: Two Tonne

Testimony. Muletone-Bronzerat /

Soulfood Music.

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