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Andrés Orozco-Estrada in wie längst eingespielter Einigkeit mit den Wiener Philharmonikern.

Alte Oper

Blühende Pracht nahe der Moldau

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Andrés Orozco-Estrada dirigiert die Wiener Philharmoniker in der Alten Oper Frankfurt.

Beim Auftritt der Wiener Philharmoniker in der Alten Oper Frankfurt war Zubin Metha, einer der „grand old men“ der Zunft, als Dirigent vorgesehen. Krankheitshalber musste er absagen, und aus dem Gastspiel wurde ein halbes Heimspiel, denn der Einspringer war Andrés Orozco-Estrada, der hier wohlbekannte Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters. Und da das Konzert neben der „Candide“-Ouvertüre Leonard Bernsteins auch die 1. Sinfonie von Johannes Brahms vorsah, war es obendrein ein Déjá-vu-Erlebnis, hat doch Orozco-Estrada gerade mit seinen Radiosinfonikern einen Brahms-Zyklus beendet – und vor knapp 14 Tagen im Bernstein-Geburtstagskonzert zum 100. die beliebte Ouvertüre der 1954 entstandenen komischen Oper präsentiert.

Wären also als unvertraute Posten allein die ursprünglich vorgesehenen „5 Orchesterstücke op. 16“ von Schönberg geblieben, die aber durch einen weiteren guten Bekannten ersetzt wurden – die „Haydn-Variationen“ von Johannes Brahms. Dennoch war der Abend ein echter Hinhorcher. Ein Konzert mit vertauschten Gastgeber-Rollen: Nicht das residierende Orchester hatte neben seinem Chef einen dirigierenden Gast am Pult, sondern der residierende Chefdirigent hatte es mit einem Gast in Form eines ganzen Orchesters zu tun. Der im speziellen Fall als eines der besten Ensembles angesehen wird.

Höflichkeit ist das Gebot des Gastgebers, und so waren die Direktiven Orozco-Estradas eher selbstbezüglich: ein körper-rhythmisiertes Pulsieren, das sich eher pauschal dem sich in voller Größe präsentierenden Orchester zeigte. Einige wenige Male gab es dämpfende Gesten, gerichtet an die ersten Geigen. Ansonsten herrschte eine Klang-Körper-Choreografie wie in längst eingespielter Einigkeit.

Die „Candide“-Ouvertüre kennt man schneidender in den Riffs mit Orozco-Estradas eigenem Orchester. Dafür boten die Wiener die lyrische, zweite Passage, wo Bernstein eine neo-romantische Moldau-Stimmung evoziert, in blühender Pracht sondergleichen. Die „Haydn-Variationen“ hatten bezwingende Momente in den verschatteten, zeremonialisierten Zügen des 3. und 4. Durchgangs. Großer Ton am Ende des Werks; großer Ton auch bei der 1. Sinfonie, die in fließender Bewegung ihre Vielfalt sehr gut darstellen konnte. Satte, von den perfekten tieferen und tiefen Wiener Streichern gebotene Farben sicherten dem furiosen Finale mit dichtester, attackierender Faktur begeisterte Publikumsresonanz.

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