+
Die Finalisten Benedikt Köstler, Natia Todua, Anna Heimrath und BB Thomaz im Dezember in Berlin.

"The Voice Of Germany"

Da bleibt nicht viel, oder?

  • schließen

Das bisschen Ruhm genießen, solange es anhält: Das ist das Prinzip von Fernsehshows wie "The Voice Of Germany". Auch dieses Mal, wenn Gewinner und Finalisten in der Frankfurter Jahrhunderthalle auftreten.

Es hat was Tragisches. Da fügt ein schlaksiger Junge den zahlreichen Versionen von Leonard Cohens „Hallelujah“ eine hinzu, die mithalten kann mit den Jeff Buckley, Rufus Wainwrights und John Cales dieser Welt. Begeistertes Trampeln, es klingt nach großer Zukunft. Und doch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Benedikt Köstler nie wieder in der Frankfurter Jahrhunderthalle singen wird. Oder kennt jemand noch frühere Gewinner von The Voice Of Germany? Und Köstler ist nicht einmal der Sieger, nur einer der Finalisten von 2017.

Das bisschen Ruhm genießen, solange es anhält: Das ist das Prinzip solcher Fernsehshows. Deshalb folgt die Live-Tour so schnell nach dem Finale von „TVOG“ im Dezember. Immerhin 2000 Besucherinnen und Besucher haben den Weg nach Unterliederbach gefunden.

Neben Siegerin Natia Todua und Köstler ist Finalistin Anna Heimrath dabei. Dzenan Buldic ist für die viertplatzierte BB Thomaz nachgerückt, die sich lieber um ihr Baby kümmert. Hinzu kommen Lara-Samira Will und Gregor Hägele, die vom Publikum gewählten Wildcard-Gewinner. Viele Stimmen für einen Abend – trotzdem stehen zwei Background-Damen in der Begleitband. Man weiß ja nie, wann man die Profis braucht, um die Nachwuchstalente zu unterstützen.

Konzept wirkt nicht durchdacht

Das Konzept wirkt nicht komplett durchdacht. Mal moderieren längliche Clips aus der Show vom Großbildschirm den nächsten Auftritt an, mal bleibt die Ansage den Sängern überlassen. Mittendrin unterbricht eine Pause den Spannungsbogen, die zumindest im Publikum niemand gebraucht hätte. Es dauert, bis die Stimmung so köchelt, wie sie soll.

Siegerin Natja Todua, die dreadbelockte Georgierin, dominiert mit Stimme und Ausstrahlung. Bei aller Kraft ist ihr Gesang ein angeschlagener, beschädigter. Folgerichtig singt sie Sachen wie „Rehab“ von Amy Winehouse, „Someone Like You“ von Adele oder auch „Feeling Good“ von Nina Simone. Ähnlich zu Hause auf der Bühne und in den Liedern wirken vor allem Buldic mit seiner Soulstimme und Köstler, der Kaleos „Way Down We Go“ angemessen röhrt.

Anna Heimrath wirkt etwas angestrengt. Gregor Hägele und Lara-Samira Will, beide noch Teenager, sind Sympathieträger, bleiben aber sanglich unscheinbar. Wills „Somewhere Over The Rainbow“, bei dem sie sich selbst an der Ukulele begleitet, ist zurückgenommen gemeint, gerät fast zu dünn.

Gegen Ende kommt theoretisch tanzbare Abwechslung in den Kuschelsound, doch der Saal ist bestuhlt. Ein grandioses „With A Little Help From My Friends“ im Woodstock-Arrangement beschließt vor den knappen Zugaben den Abend, mit Todua in der Rolle Joe Cockers. Der Rest gibt den Chor.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion