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Igor Levit auf Schloss Johannisberg.
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Igor Levit auf Schloss Johannisberg.

Rheingau-Musik-Festival

Zum Bleiben bestimmt

  • vonTim Gorbauch
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Igor Levit spielt auf Schloss Johannisberg tief gedachten Schubert und Beethoven.

Vor drei Jahren spielte er hier auf Schloss Johannisberg die letzten drei Klaviersonaten Ludwig van Beethovens, als ein Zyklus, den es an die Ränder zieht, radikal und extrem auch nach Innen hinein. „Weltwundermusik“ nannte Igor Levit damals diese Werke. In diesem Jahr sollte es wieder um die letzten Dinge gehen. Das Spätwerk Schuberts war annonciert, die letzten beiden Klaviersonaten D959 und D960. Doch Levit hat sich kurz vor dem Konzert umentschieden. Er kam nicht dahin, wo er hinwollte mit dieser fantastischen Musik voller Auf- und Abbrüche, sagt er. Und Kompromisse gibt es nicht in seiner Welt.

Igor Levit kann sich das leisten. Gerade hier beim Rheingau Musik Festival, dessen Artist in Residence er in diesem Jahr ist. Sechs Konzerte gibt er hier, dieses ist sein Zweites. Und statt die letzten Schubert-Sonaten spielt Levit nun dessen Allegretto D915 und die sechs Moments musicaux D780. Nach der Pause dann, wie so oft bei Levit, Beethoven: die allererste Sonate op. 2, Nr. 1. Dann, als fulminantes Finale, die Waldstein-Sonate op. 53, Revolutionsmusik also.

Dabei wird von Anfang an klar, dass Levit mit Oberflächen nicht viel anfangen kann. Schuberts Allegretto etwa kann man auch als delikate Kostbarkeit denken, als ein virtuos inszeniertes, ungemein sinnliches Spiel mit pianistischen Klangnuancen. Levit aber wendet sich von solch schönem Schein umgehend ab, hört in die Musik hinein, ernst und grüblerisch wie einst Swjatoslaw Richter, nur ohne dessen gigantisches Pathos. Was Levit an dieser Musik interessiert, ist das Zerbrechliche, Unsichere, Heikle.

Tastend erkundet er einen Klangraum, der nach Innen heraus irrsinnig ausgehört ist, in jeder Phrase tief gedacht. Auch körperlich kriecht er förmlich in die Musik hinein. Tief beugt er sich über die Tasten, der Kopf oft ganz nah an seinen Fingern – so sucht Levit den Schubertschen Kosmos nach Momenten des Stillstands und des Verstummens ab. Das bleibt auch bei den sechs Moments musicaux so, dessen bald ländlerhaft verspielter (C-Dur, Nr. 1) oder beschwingt tänzelnder (f-moll, Nr. 3) Ton dagegen verschwimmt.

Levits Radikalität, seine Lust an der pianistischen Gratwanderung bekommt in solchen Momenten auch manieristische Züge. Das spürt man selbst bei Beethovens allererster Klaviersonate op. 2, Nr. 1, die Levit fantastisch und auch überraschend sperrig spielt, die er zugleich aber auch dermaßen emphatisch auflädt, dass sie ihr inneres Zentrum zu verlieren droht.

Wenn aber die Musik von sich aus die Sprengkraft bereithält, so wie die Waldstein-Sonate op. 53, dann fehlen einem schlicht die Worte. Das Maß an Freiheit, das da spürbar wird, die Rücksichtslosigkeit Beethovens gegenüber seinen Hörern und seinen Interpreten, das alles ist gigantisch gespielt und klingt noch lange nach. Da wird auch klar, warum der „Guardian“ schon vor Jahren über Levit schrieb: Er sei „zum Bleiben bestimmt“.

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