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Billy Idol in Frankfurt: Ein ganz witziger Abend

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Von: Stefan Michalzik

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Blondierter Bürstenschnitt, schwarzes Leder: Billy Idol.
Blondierter Bürstenschnitt, schwarzes Leder: Billy Idol. © IMAGO/TheNews2

Mit Billy Idol zurück in die achtziger Jahre, jetzt auch in der Frankfurter Festhalle.

An Billy Idol kam man in den achtziger Jahren nicht vorbei, auch wenn man gar kein Fan war. Einer der ersten Superstars der Ära des Musikvideos – ein knappes Dutzend allgemein bekannter Hits hatte der für die Dekade so typische wie zugleich anachronistisch aus ihr herausfallende Rocksänger mit Vorgeschichte in der Punkband Generation X.

Dann lieber das Orignal

Ob sich Billy Idol je darüber beschwert hat, dass seine treue Gefolgschaft in erster Linie seine alten Nummern hören will? Falls es so ist, müsste man sagen: Selber schuld! Denn wer über die Jahrzehnte hinweg nicht besonders glücklich den Sound seiner besten Jahre reproduziert, braucht sich nicht zu wundern, wenn das Original gefragt ist und nicht die ewige Selbstkopie.

Im Übrigen: Wenn Billy Idol dann doch mal etwas gewagt hat, wie mit den elektronischen Elementen auf „Cyberpunk“ (1993), ging es blamabel daneben. Überstanden hat der Engländer, der in einem Monat 67 Jahre alt wird, einen lebensgefährlichen Motorradunfall (1990) und eine Überdosis Drogen (1994) – künstlerisch betrachtet jedoch kam bereits Anfang der neunziger Jahre nichts mehr. Eine typische Pop-Karriere, schreiben sich doch die wenigsten über Jahrzehnte hinfort weiter.

So waren es nun auch beim Konzert in der Frankfurter Festhalle – „The Roadside“ heißt die Tournee, nach der im vergangenen Jahr herausgekommenen EP – vor allem die alten Kracher Marke „Flesh for Fantasy“, „Rebell Yell“ und „White Wedding“, die die nach wie vor zahlreichen Fans feierten.

Einstmals ein Großmeister der spektakulären Pose, präsentiert sich der Mann mit der seinerzeit immerfort verächtlich zuckenden Oberlippe zwar weiterhin mit einem blondierten Bürstenschnitt und in schwarzem Leder mit seitlich herabhängenden Goldketten, die Show allerdings ist standardisiert rockistisch. Zwischen alterszahm und konserviertem Rebellenhabitus.

Ob die Lippe noch zuckt, war wegen des – wohltuenden – Verzichts auf eine Großprojektion des Bühnengeschehens nicht zu erkennen. Der intuitive Eindruck, die Sammlung der großen Erfolge sei vollständig abgefeiert worden, hielt der Überprüfung nicht stand: „Catch My Fall“, „To Be a Lover“, „Don’t Need a Gun“ und „Sweet Sixteen“ fehlten. Misslich war jedoch eher, dass Idol nicht sonderlich gut bei Stimme war.

Stichwort rockistisch: Steve Stevens, Originalgitarrist der Hit-Ära Idols, muss einen Passus im Vertrag haben, der ihm eine recht breite inszenatorische Präsenz sichert. Als virtuose Spitzenkraft hat er Idols Musik entscheidend mitgeprägt. Doch wehe, wenn er für längere Zeit solistisch losgelassen wird.

„Find’ ich ganz witzig“: Das war in den Achtzigern eine gängige Redewendung, hier passt sie wieder. Ein ganz witziger Abend.

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