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Biffy Clyro in der Frankfurter Festhalle – Passt nicht und passt doch

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Von: Marcus Hladek

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Hart, heftig, aber auch melodiös: Simon Neil von Biffy Clyro weiß, was von ihm erwartet wird.
Hart, heftig, aber auch melodiös: Simon Neil von Biffy Clyro weiß, was von ihm erwartet wird. © ZUMA Wire/Imago

Auch die schottische Band Biffy Clyro ist auf europaweiter Nachholtour und macht in der Frankfurter Festhalle ziemlich was los.

Biffy Clyro aus der Gegend um Glasgow sind seit der Gründung 1995 das Trio Simon Neil (Gitarre, führender Sänger) und die Zwillingsbrüder James (Bass) und Ben Johnston (Drums), in Frankfurt ergänzt um Tourmusiker an den Keys, der dritten Gitarre und zwei Geigerinnen. Selbstverständlich hat die Pandemie ihre sinistre Hand dabei im Spiel, dass es sich bei den sechs Deutschland-Auftritten (vorher München, nachher Stuttgart, Berlin, Hannover, Düsseldorf) im Rahmen einer zweimonatigen Europatour um Nachholkonzerte handelt.

Die Auswirkungen auf die Band mit dem in tausend Varianten um und um erklärten Unsinnsnamen reichten sogar noch weiter. Zum einen tourt sie jetzt mit den Songs gleich zweier UK-Platz-1-Alben, weil das erste, „A Celebration of Endings“, 2020 im Lockdown nur per Livestream Premiere feiern konnte. Das andere, „The Myth Of The Happily Ever After“ (etwa: die Legende vom „Und wenn sie nicht gestorben sind“), sollte ursprünglich „A Commemoration of Commiserations“ heißen und mit seinen Corona-schwangeren Titeln ausdrücken, wie wir auf diesem Planeten wohl dieselbe Prüfung durchlitten, wie uns unterwegs aber das Gespür dafür flöten ging, wie sehr sich die Erlebnisse unterschieden. Kurz gesagt: die Pandemie als Horror der Isolation – und zugleich Anstoß für eine Suche nach dem positiven Rück- und Ausblick.

Wem das zu wirr klang, der konnte sich in der halbvollen Festhalle (das Parkett war wohlgefüllt, die Ränge ungenutzt) einfach auf die Wirkung der Musik einlassen, denn immerhin erklärt Simon Neil selber das neue Album in all seinem optimistischen Nihilismus vorsorglich für ein „epic ‚meister werke‘“.

Wie andere von Metal, Hardcore und Grunge oder deren „Post“-Erbe berührte Bands lebt Biffy Clyro viele Jahre nach seinen gewitzten Alternative-, Progressive- und Emo-Rock-Anfängen ein wenig in dem Zwiespalt, immer noch härter, punkiger und allzermalmender musizieren und den Fans dennoch zugleich sagen zu wollen, das jeweils jüngste Album sei zwar hart und heftig, aber auch sehr melodiös.

Diese eingeborene Schizophrenie hörte man quasi unentwegt heraus, und sie trug wie so oft positive Früchte. Ob nun „Space“ und „Instant History“ vom „Celebration“-Album oder „Unknown Male 01“ von „Myth Of The Happily Ever After“, ganz zu schweigen von älteren Titeln wie „Machines“, „Biblical“ und „Many of Horror (When We Collide)“. Und so sehr das Metal- und Hard-Gegröle sich auch bei Liveauftritten mit der akustischen Verständlichkeit der Worte zu beißen pflegt: all diese Titel enthielten schöne, oft melancholische, nachdenkliche und selbstkritische Songverse. Nicht selten galt das umso mehr, wenn sie eben wirklich ins Melodiöse und Balladenhafte hineinspielten.

Zu ergänzen bliebe, dass die etwas verrückte, dabei aber sehr originelle niederländische Vorgruppe „De Staat“ um Torre Florim, einem sattsam bekannten Topos folgend, den Schotten gut und gern die Show hätte stehlen können.

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