Cäcilienchor

Beweglich und getragen

  • vonBernhard Uske
    schließen

Der Frankfurter Cäcilienverein widmet sein Weihnachtskonzert einigen Werken der berühmten Sippe Bach.

Wer zuletzt lacht, lacht am besten – das diesjährige Weihnachtskonzert des Cäcilienvereins bot Werke von drei verschiedenen Künstlern der wohl berühmtesten Komponisten-Sippe der Welt: Wilhelm Friedemann Bach, Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Sebastian Bach. In der Dreikönigskirche am Sachsenhäuser Mainufer war das ein schöner Beleg für jenes Geflügelte Wort, das man mit längeren Zeitspannen rechnen sollte, um festzustellen, was endgültigen Wert behält. Die Kronensöhne, zu denen ja noch drei weitere zählen – sie waren es, die einst zeitlebens den Namen Bach für die Öffentlichkeit bedeutungsvoll machten. Bevor dann das nur vorübergehend untergegangene väterliche Zentralgestirn mächtig wieder aufging, um seitdem seine alles beherrschende Position nie mehr zu verlassen. Die Kronensöhne in Halle, Berlin, Mailand, London in den Schatten der Musikgeschichte und damit auch der Publikumsresonanz stellend. Aus dem wollte sie Christian Kabitz und sein Cäcilienchor, der 2018 sein 200-jähriges Bestehen feiern kann, herausholen und präsentierte mit „O Wunder, wer kann dieses fassen BFR-WFB F 2“ eine sinnige Weihnachtskantate von Wilhelm Friedemann, die mit ihrem Schwanken zwischen Lyrismen und greller Virtuosität wirklich auffällig war. Ein musikalischer Ausdruck, der allen Beteiligten ganz schön zu schaffen machte. Enorme Koloraturen mussten die mit schönen Stimmen ausgestatteten Solistinnen Silke Evers und Uta Christina Georg meistern. Manchmal fast circensisch aufgedrehte Virtuosenselbstdarstellung, neben dann wieder sehr weicher, feiner Verinnerlichung.

Carl Philipp Emanuel hat seine Karriere über den Hof der preußischen Könige in Berlin bis zur Telemann-Nachfolge in Hamburg gebracht. Ein gemäßigterer Ansatz, der im „Magnificat Wq 215“ auch deutliche Bezüge zum väterlichen Vorbild anklingen ließ, in für die vokalen Stimmen dankbaren Lagen und Führungen. Glänzend war die Homogenität des Cäcilienvereins in beweglicher und auch getragener Artikulation. Es musizierten sehr flüssig die Münchner Bachsolisten, Michael Nowak glänzte mit markantem und leicht beweglichem Tenor.

Zu Beginn hatte sich der Vater vernehmen lassen mit seinem deutschen Magnificat, der Kantate „Meine Seel erhebt den Herrn BWV 10“. Markante Satzkonstruktionen, Verkündigungsprägnanz und sinnhafte Klanglichkeit: das extrovertierte Verinnerlichungskonzept des „Alten“ ist dann finalement doch der Sieger der Bachischen Komponier-Evolution geworden.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare