Rolando Villazón mit dem Colombian Youth Philharmonic in der Alten Oper Frankfurt.

Rolando Villazón

Den Ton besonders lange halten

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Rolando Villazón mit dem kolumbianischen Elite-Nachwuchsorchester in Frankfurts Alter Oper.

Was in Deutschland die Junge Deutsche Philharmonie, das ist in Kolumbien die Filharmónica Joven de Colombia: das Nachwuchs-Eliteorchester mit Mitgliedern zwischen 18 und 24 Jahren. Der Chef des hr-Sinfonieorchesters, der Kolumbianer Andrés Orozco-Estrada, ist auch Leiter des Ensembles und trat mit seinen musizierenden Landsleuten bei Pro Arte in der Alten Oper auf. Mit dabei war der aus Mexiko stammende Rolando Villazón.

Die Stücke bis zur Pause waren weitgehend dem hispano-amerikanischen Kulturkreis verpflichtet: eine Volkstanz-Hymne von José Pablo Moncayo „Huapango“, Manuel de Fallas „Siete canciones populares españolas“, des Argentiniers Astor Piazzollas Tango-Sinfonik „Tangazo“ und zwei frühe Romanzen Giuseppe Verdis. Die Gesangsstücke waren transkribiert und orchestriert von Luciano Berio, dem vor gut 15 Jahren verstorbenen italienischen Avantgardisten, der früh die Anverwandlung fremder Idiome zu seiner Richtschnur gemacht hatte.

Etwas steif in Unisex

Hier waren das etwas blass bleibende Verkleidungen der ursprünglichen Quellen, und der Gestaltungstransfer durch die Musiker wirkte sehr zahm und reduziert. Überhaupt überraschte die etwas steife Akkuratesse des Ensembles, das zwar betont locker auftrat mit für alle gleichen Turnschuhen, Unisex-Kluft in graublau und offenem Kragen, darin dann aber auch wieder uniformiert war.

Villazón, der Star-Tenor, wegen dessen Auftritt viele gekommen waren, schien die Erwartungen seiner Fans zu erfüllen, denn der Applaus war herzlich und wurde enthusiastisch, als schlussendlich ein hoher, lauter Ton besonders lange gehalten wurde. Des Sängers Stimme trägt noch gut und klingt manchmal schwer, muss auch über einige weiche Stellen kommen, die mit Kopfstimmeinsatz und ein wenig intonatorischer Nachjustierung kompensiert werden konnten. Das übertriebene Mienenspiel und die fahrige Gestik waren gewöhnungsbedürftig.

Nach der Pause das Hauptstück des Abends, das auch ein Schaustück war. Hatten sich die Kolumbianer doch Igor Strawinskys „Sacre du Printemps“ vorgenommenen und in dem als Ballett konzipierten heidnischen Frühlingsopfer Parallelen zu magischen Riten ihrer eigenen Herkunft entdeckt. Auf einer filmischen Ebene und mit konzertanter Choreografie wollte man das zum Ausdruck bringen: Aufstehen, sich jäh schütteln, mit den Bögen in Gruppe aufeinander zielen, sich selber in Schieflage bringen, die Blechblasinstrumente als magische Trophäen hochheben. Das alles vor der Leinwand mit Landschafts-Animationen, Feuer und Rauch.

Oroszco-Estrada hatte alles bestens im Griff. Die rhythmischen Vertracktheiten der Partitur wurden also bravourös gemeistert.

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