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Kirill Petrenko dirigiert in der Alten Oper.
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Kirill Petrenko dirigiert in der Alten Oper.

Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmoniker in der Alten Oper: Tänze aus der Zukunft

Kirill Petrenko mit den Berlinern in Frankfurt.

Ein nicht zu behagliches Programm boten die Berliner Philharmoniker unter Kirill Petrenko am Abend nach dem Anschlag in Hanau. Ein Zufall, das Orchester ist mit diesem Programm in diesen Tagen unterwegs. Trotzdem eindrucksvoll, dass dem Schweigemoment für die Toten, um den Intendant Stephan Pauly eingangs bat, der sich außerdem im Namen der Alten Oper, der Berliner Philharmoniker und Petrenkos vehement gegen Rassismus aussprach, Musik von Igor Strawinsky folgte.

Die „Sinfonie in 3 Sätzen“ entstand im Zweiten Weltkrieg in den USA, ein kompliziertes Werk voller Einfälle und Wendungen, aber ohne Sentimentalitäten. Beim Zuhören sollte man hellwach sein, beim Spielen geradezu auf Draht: ideales Material für die kompakte Virtuosität eines ganz auf Perfektion eingestellten Orchesters. Die strikte Zügigkeit des ersten Satzes, das feinsilbrige Dahinschwimmen im zweiten und die Effekte im dritten kamen gleichermaßen erschütternd auf den Punkt.

Sperrige Tanzrhythmen dominierten den Abend, Totentänze, wenn man so wollte, aber auch einfach moderne Tänze für eine Zukunft ohne lasches Mitklatschen und Alles-machen-wie-Immer. Faszinierend, wie sich an Strawinsky Bernd Alois Zimmermanns zehn Jahre später entstandene Ballettsuite „Aalagoana. Caprichos Brasileiros“ (1951/1955) anschloss. Während Strawinsky die Kanonisierung noch gelang, bekommt das Publikum bei Zimmermann (dessen Todestag sich im August zum 50. Mal jährt) oft einen kleinen Schreck. Dazu besteht und bestand auch hier aber kein Anlass. Die kecken Rhythmen eines utopischen Sommers blühten auf, nahmen gewalttätige Formen an, um dann wieder in feinstes Gitarrenzupfen und Hölzchenklöppeln zu münden. Das Sperrige daran tritt nicht als Hindernis, sondern immer als Pluspunkt und Zusatzreiz auf.

Dann ein milder Walzer

Nach der Pause passten sich Sergej Rachmaninow ausgezeichnet ein: die „Sinfonischen Tänze“ op. 45 von 1939/40, das älteste Werk des dicht zusammenliegenden und doch durch Welten (des Krieges) getrennten Programms. Von den sich einbrennenden Abwärtsbewegungen des „Non Allegro“ über den milden Walzer im zweiten bis zum schweren Blech im dritten Tanz war auch hier die absolute Beherrschung des vielschichtigen Geschehens überwältigend.

Vielleicht kann man sagen, dass drei Komponisten von der Sehnsucht nach etwas erzählten, was es nie gegeben hat. Das Publikum, es applaudierte nicht nur, es jubelte und johlte.

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