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Ben LaMar Gay auf einem Konzert in Frankreich.
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Ben LaMar Gay auf einem Konzert in Frankreich.

Ben LaMar Gay

Ben LaMar Gay „Open Arms to Open Us“: Der Fackelträger

  • VonStefan Michalzik
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Great Black Music für das 21. Jahrhundert: „Open Arms to Open Us“ von Ben LaMar Gay.

Ungeheuer die kaleidoskopische Verwirbelung: HipHop trifft Jazz, Drum’n’Bass, Techno, Breakbeats, Electronica, Blaskapelle, Gospelchor und einen zeitlupengedehnten New Orleans Jazz, Folk und Blues, Spoken Word Poetry und Tropicalismo ... und mehr. Hier lässt sich von einer popaffinen zeitgenössischen Überschreibung des afroamerikanischen Free Jazz der sechziger Jahre sprechen, eine gewisse spirituelle Note inbegriffen – oder auch von Avant-Pop.

Nicht umsonst hat Ben LaMar Gay das Wasser zu seinem liebsten Element erkoren. Auf „Open Arms to Open Us“, dem dritten Album des aus Chicago stammenden Genresprengers, gilt der Song „O Great Be the Lake“ dem Wasser, eine für Lamar Gays Verhältnisse beinahe schon naturbelassene Soulballade – wenn da nicht neben Orgelklängen das Gebimmel von Kuhglocken ins Spiel käme. „Swim Swim“ lautete ein Titel auf „Downtown Castles Can Never Block the Sun“ (2018), einer Zusammenstellung von über Jahre hinweg entstandenen Aufnahmen, mit der der Afroamerikaner erstmals international Aufsehen erregt hatte.

Stile, die sich überlagern

Das Album:

Ben LaMar Gay: Open Arms to Open Us. International Anthem/Indigo.

Fluide ist die musikalische Form. Faszinierend, wie sich das von einem der 16 Stücke zum anderen wandelt. Das Formprinzip der Musik ist die Fragmentierung; manche Nummern sind minutenkurz, viele enden abrupt, unerwartet. Stilmerkmale vieler Genres werden mit dem Mittel der Überlagerung zusammengebracht. Den großen Bogen spannt das einende Element einer markanten Perkussion.

Illuster ist die Besetzungsliste, vorwiegend sind es Musikerinnen und Musiker aus Chicago wie die Sängerinnen Sima Cunningham und Macie Stewart von der Rockband OHMME, des weiteren die Bassistin, Sängerin und Arrangeurin Ayanna Woods, der Dichter A. Martinez, die Cellistin Tomeka Reid. Die britisch-ruandische Performancekünstlerin, Tänzerin, Choreografin und Sängerin Dorothée Munyaneza prägt den Song „Nyuzura“ mit, in der ruandischen Landessprache Kinyarwanda thematisiert sie die dortigen Missstände. Die Performancekünstlerin und Choreografin Onye Ozuzu geht gemeinsam mit LaMar Gay das Alphabet auf Igbo durch, einer der Sprachen in ihrer Heimat Nigeria.

Am Ende des Albums machen sich die beiden Vokalistinnen Gira Dahnee und Angel Bat Dawid über den Duke-Ellington-Standard „Sophisticated Lady“ wohlgelaunt, spielerisch her. „Slightly Before the Dawn“ ist eine geräuschhafte Collage wie seinerzeit in der New-Wave-Ära, mit mysteriös verschleierter Stimme und Free-Jazz-Bläsern.

Die historischen Zeugen für diesen Jazz/Pop-Hybriden sind Lester Bowie und das Art Ensemble of Chicago; Bowies Konzept um eine „Great Black Music“, ein Bewusstsein für die schwarze Musikgeschichte mit Blick auf ein zeitgenössisches Musizieren, hat Ben LaMar Gay in das 21. Jahrhundert übertragen. Ganz und gar kein Zufall, dass der Kornettist und Multiinstrumentalist auch Leader des Ensembles AACM Now Generation ist – in guter Erinnerung dessen fulminanter Auftritt 2015 beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt. Dieses Ensemble ist voller Fackelträger der Association for the Advancement of Creative Musicians in Chicago, der schwarzen Musikervereinigung, zu deren Mitgliedern Pioniere des freien Jazz wie Anthony Braxton, Lester Bowie und Roscoe Mitchell gehörten.

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