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Beatrice Rana in der Alten Oper Frankfurt: Der statuierte Klang

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Von: Bernhard Uske

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Hoch hinaus: Der Pegasus auf der Alten Oper Frankfurt, wo jetzt die italienische Pianistin Beatrice Rana zu Gast war. Foto: Monika Müller
Hoch hinaus: Der Pegasus auf der Alten Oper Frankfurt, wo jetzt die italienische Pianistin Beatrice Rana zu Gast war. Foto: Monika Müller © Monika Müller

Beatrice Rana reizt die Extreme bei Scrjabin, Chopin und Beethoven bei einem Hochintensivkonzert in der Alten Oper Frankfurt voll aus

Klangextremismus im Mozart Saal der Alten Oper Frankfurt: Beatrice Rana, geboren 1993 in Italien und ein Star der jungen Pianistinnengeneration, spielte Skrjabin, Chopin, Beethoven, wobei man schon im Zugriff auf die Miniaturen des russischen Vaters aller Avantgarden des Zaren- und Sowjetreichs (Préludes und Etüden) ahnen konnte, was einem der Abend bescheren würde.

Markant in der Tektonik

Die vagierende, in gestalterische Tiefen und Untiefen führende Gestaltung des 1871 geborenen Komponisten kam groß im Klang, markant in der Tektonik und in einem ohne Unterbrechung der sechs, zwischen 1887 und 1903 entstandenen, Titel gebildeten Mäander zur Geltung. Das latent Weiche der Form war gehärtet und in volltönender, weniger harmonisch ausgereizter denn konstruktivistisch fixierter Weise präsent.

Weit weg von Leuchttürmen der italienischen Pianistentradition (eines Arturo Benedetti Michelangeli oder Mauricio Pollini) war die Interpretation der b-Moll-Sonate Nr.2 op. 35 Chopins, die auf pianistischen Belcanto verzichtete. Steile Rasanz schon im ersten Satz; alle rhythmischen und akkordischen Querstände deutlichst exponiert und eine jagende Unruhe, die im Scherzo den von Alfred Cortot bezeichneten Charakter als „danse macabre“ nachvollziehbar machte. Harsche Diktion, die auf den zentralen Trauermarsch zulief. Der war dann auf eine Weise ritualisiert, wie man es kaum je erlebt hat. Während Yves Nat, mit dem der Rana-Ansatz insgesamt vieles gemein hatte, was Heftigkeit und Härte anbelangt, hier eine nüchterne, quasi objektivierte Haltung vorträgt, wurde diese Haltung bei der Pianistin ins Unerschütterliche und Statueske verstärkt. Diese vollkommene Auskristallisation war nicht nur glatt drei Minuten länger als bei Nat (der selber schon zu denen gehört, die den Satz langsam spielen). Das Resultat war auch ein selber erstarrendes, aber ungemein intensives Zuhören. Konsequent das schemenhafte Nachflirren des kurzen Finalsatzes.

Beethovens Hammerklaviersonate op. 106 zuletzt mit den Eckpunkten purer Gewalt, exzessiver Dynamik und der Zertrümmerung aller organisch wirkenden Ablaufsdramaturgie. Die doch durchsichtig blieb auf die hypertrophe Konstruktivität des tobenden tauben Genies. Dazwischen das „Adagio sostenuto. Appassionato e con molto sentimento“, das sich völlig von appellativer und diskursiver Zuwendung abkehrt, durch Rana gleichsam unter den Tasten gehalten wurde und zufälligerweise noch Töne hatte.

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