Beim Probieren: Das Horus Ensemble, vorne in der Mitte das Gesangstrio. Privat
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Beim Probieren: Das Horus Ensemble, vorne in der Mitte das Gesangstrio. 

Oper Frankfurt

Barockmusik: Kaffee für das lose Liesgen

  • Judith von Sternburg
    vonJudith von Sternburg
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Verschüttetes und Berühmtes: Ein intimer Barockmusikabend im Frankfurter Opernhaus.

Es ist nicht mehr zu klären, ob der Ruhm des in Rudolstadt tätigen Komponisten Philipp Heinrich Erlebach (1657-1714) heute größer wäre ohne jenen Brand, bei dem 1735 offenbar die weitaus meisten seiner Kompositionen vernichtet wurden. Von rund 1000 sollen sich 70 erhalten haben. Die Ariensammlung „Harmonische Freude musikalischer Freunde“ war jetzt in Teilen im Frankfurter Opernhaus zu erleben und stellte immerhin in Frage, wie objektiv Nachruhm sich gestaltet beziehungsweise wie brutal der Zufall hier wirkt. Denn das waren doch herrliche, federleichte Nummern, manche mit Schlagerpotenzial.

Liebesschmerz, Herzensglück

Der Tenor Matthew Swensen mit kaum widerstehlichem, fein flattrigem Vibrato und der Bariton Sebastian Geyer boten ideale Stimmen dafür, beweglich und mit Freude an den ernsthaften und ironischen Details von Liebesschmerz und Herzensglück. Allerliebst die Duette, das Publikum in Rudolstadt – und, wie man liest, keineswegs nur dort – wird kaum genug davon bekommen haben. Das auf die Barockzeit spezialisierte Horus Ensemble, das seine Mitglieder vornehmlich aus dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester requiriert, musizierte achtköpfig und schob zwischen die Erlebach-Arien Stücke von Georg Philipp Telemann. Darunter war die Suite „La Bizarre“, die Lebensfreude bereitete und mit dem waghalsigen Abschluss – „Rossignol“ – auch frappierte.

Das Opernhaus in dieser Phase unseres Lebens als Ort intimer musikalischer Ereignisse akzeptieren zu müssen, fiel angesichts der lebhaften Combo besonders leicht. Auch gewöhnt man sich offensichtlich an fast alles. Konzertmeisterin und Horus-Ensemble-Mitgründerin Basma Abdelrahim lenkte von der Violine aus dezent und effizient.

Dem Charme der Hausmusik wurde – nach Erlebachs in der Tat bereits zu Bühnengeschehen drängenden Arien – schließlich noch eine erfrischende Spur von Action hinzugefügt. Für Johann Sebastian Bachs „Kaffee-Kantate“ brachte Evangelist, nein, Erzähler Swensen schwungvoll einen Tisch herein. Hier konnten Geyer und die Sopranistin Florina Ilie (Mitglied des Frankfurter Opernstudios) abwechselnd sitzen und Kaffee trinken, während die jeweils andere Person davon schwärmte oder davon abriet. Vom Kaffeekonsum.

In dieser Frage lässt unsereiner selbstverständlich nicht mit sich reden und ist auf der Seite der Tochter Liesgen. Sie vertritt die Pro-Kaffee-Seite, mindestens drei Tassen am Tag sind ihr Begehr. Der Vater, ein Mann namens Schlendrian, nimmt die „C-A-F-F-E-E“-Haltung ein. Ilie maulend und doch lieblich, glockenrein singend, Geyer streng, aber kein Schuft. Natürlich obsiegt bei Bach die Kaffeetrinkerin.

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