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Andrè Schuen und Daniel Heide im Konzert-Kubus. Foto: Ansgar Klostermann/RMF
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Andrè Schuen und Daniel Heide im Konzert-Kubus.

Rheingau Musik Festival

Bariton Andrè Schuen: Nein, sein Arm ist nicht schwach

  • VonStefan Schickhaus
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Naturbursche und mehr: Andrè Schuen singt beim Rheingau-Festival Schuberts „Die schöne Müllerin“

Kann es einen Sänger geben, der bessere Voraussetzungen mitbringt für „Die schöne Müllerin“ als Andrè Schuen? Der Bariton aus Südtirol ist in einem Mühlhaus aufgewachsen, umgeben von Blümlein und Bächlein, genau wie der Müllersbursche in Schuberts Liederzyklus es besingt. Es ist seine Welt, das Grün ist seine Farbe. Aber das ist natürlich nur eine nette Nebenparallele, das Entscheidende ist vielmehr: Andrè Schuen ist aktuell der Sänger, dessen Stimme die größte Natürlichkeit ausstrahlt. Der den Mund öffnet, und Töne, Worte und Phrasen kommen einfach völlig ohne jeden artifiziellen Anstrich heraus. Und einen Anstrich mit einer anderen Farbe als der grünen kann eine „schöne Müllerin“ schnell nur noch kopflastig machen.

Allerdings, und das könnte gegen die These vom idealen Interpreten sprechen: Schuen ist Bariton, und seine Stimme keine von der hellen Sorte. „Eine ‚Müllerin‘ wird man als Bariton nie so wie ein Tenor hinbekommen“, sagt er selbst, und darum wollte er mit einer Aufnahme des Zyklus’ nicht noch länger warten, ihn singen, solange noch eine Resthelligkeit da ist sozusagen. Auch in seinen Konzertprogrammen nimmt die „Müllerin“ derzeit einen Schwerpunkt ein, soeben sang er sie – begleitet wie immer von Daniel Heide – im Konzert-Kubus auf Schloss Johannisberg im Rahmen des Rheingau Musik Festivals.

Gleich das dritte Lied, „Halt!“, machte trotz der Schlussfrage „War es also gemeint?“ klar: Dieser Müllergeselle ist kein Zweifler. Schuens Stimme ist derart fundamental, dass für innere Verunsicherung kaum Raum bleibt. „Ach, wie ist mein Arm so schwach“? Nein – der Mann aus Wengen, einer kleinen ladinischen Gemeinde des Gadertals, strotzt vor Kraft, er schleudert das „Ihr Wogen, könnt ihr nichts als Räder treiben?“ trotzig heraus – aber nicht unkultiviert, nicht stimmverliebt, nein, überhaupt nicht! Es ist ein allerfeinstes Herausschleudern, ein pointiert gesetzter Akzent.

Es klingt gefährlich

Alles steuert bei Andrè Schuen auf das 17. Lied zu, auf „Die böse Farbe“. Jedenfalls bekam man hier etwas zu hören, was man so noch nicht gehört hat in einer „Schönen Müllerin“. „O binde von der Stirn dir ab das grüne, grüne Band“ – diese Aufforderung wurde zur Drohung, sie klang so ungemein gefährlich, aggressiv gar. Stimmpotenz und Ausdruck hatten eine Zeile lang aufblitzen lassen, dass diese Geschichte auch ganz anders erzählt werden kann. Danach „Trockne Blumen“: Anrührend resignativ, samt Gänsehaut. Und „Des Baches Wiegenlied“: Betörend schön und still.

Ja, es war ein eindrucksvoller Auftritt dieses Baritons, die Leistung Daniel Heides drohte dahinter der Aufmerksamkeit zu entgehen – nur auf das grandios Totenglöckchenhafte in „Die liebe Farbe“ sei hier hingewiesen. Andrè Schuen ist im Liedgesang jedenfalls eine der auffälligsten Erscheinungen der letzten Jahre, er weiß zu betonen und zu akzentuieren und klingt dabei so verblüffend unangestrengt. Das Natürliche, es scheint einfach seine Natur.

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