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BAP auf Tour: Altvertrautes funkelt hell

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Von: Volker Schmidt

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Wolfgang Niedecken in Köln auf der Bühne.
Wolfgang Niedecken in Köln auf der Bühne. © IMAGO/Eduard Bopp

Auf „Schließlich unendlich“-Tour kommt Wolfgang Niedecken auch in der Jahrhunderthalle vorbei

Wolfgang Niedecken trägt auf der Bühne Hut. Von weitem könnte man ihn mit Bob Dylan verwechseln, was Verehrer des Nobelpreisträgers blasphemisch fänden, dem Kölner aber recht sein dürfte. Wenn er nicht mit BAP auftritt, ist er mit einem klavierbegleiteten Dylan-Programm unterwegs. Und dass die BAP-Tour „Schließlich unendlich“ heißt, wird kaum zufällig an die „Neverending Tour“ des großen Vorbilds aus Minnesota erinnern.

Niedecken ist immerhin zehn Jahre jünger als Dylan, also erst 71, aber trotzdem der einzige, der aus der Gründungsbesetzung von BAP von 1976 noch dabei ist. Die Band tritt seit einigen Jahren in wechselnden Besetzungen als „Niedeckens BAP“ auf. Heute sind neben Schlagzeug, Bass, Gitarre und Keyboards drei Bläser dabei, die den abgehangenen Kölschrocksongs mal eine gewisse Leichtigkeit verleihen wie bei den Reggae-Titeln „Aff un zo“, „Müsli Man“ oder „Stell Dir vüür“, mal einen zusätzlichen, naja, Triple-Wumms. Ebenfalls im Team: Anne de Wolff, die so ziemlich jedes Instrument spielt, das nicht bei drei auf der Domspitze ist, ob folkige Geige, Balladen-Cello, Blockflöte oder Zweitposaune.

Die Bude ist voll

Die Jahrhunderthalle liege zwar „in the middle of nowhere“, hat Niedecken vor Jahren mal in sein „Logbuch“ geschrieben, aber sie sei seine „Lieblingshalle in Frankfurt“. Die Liebe wird erwidert: Die Bude ist voll, und gegen Ende des fast dreistündigen Konzerts tönen „Oh wie ist das schön“-Chöre von den Rängen. Da hängt auch schon ein Eintracht-Schal am Mikroständer, das leicht alberne „Waschsalon“ war ebenso schon zu hören wie der Antikriegsklassiker „Zehnter Juni“ oder „Alexandra, nit nor do“.

Das aktuelle Album „Alles fließt“ von 2020 stellt rund ein Drittel der 30 Songs dieses prallvollen Abends. Niedecken schreibt gegen seinen eigenen umfangreichen Songkatalog an: „Ruhe vorm Sturm“ etwa thematisiert die Gefahr durch Populisten – „ich frage mich, wer diese Arschlöcher wählt“, sagt Niedecken an; im Publikum ausweislich der Reaktion wohl niemand. Direkt danach folgen „Kristallnaach“, das dieses Thema schon vor 40 Jahren in Bilder „zwischen Breughel und Bosch“ gepackt hat, und das kraftvolle „Arsch huh, zäng ussenannder“, 1992 für Konzerte gegen Rassismus entstanden.

Auch im „Liebeslieder im Sitzen“-Teil, wie der Sänger es nennt, gibt es Momente, in denen altvertraute Lieder so hell funkeln, dass es den neuen schwer fällt zu glänzen: „Für den Rest meines Lebens“ vom aktuellen Album beginnt mit nach Süden ziehenden Vögeln ebenso wie ein Lied davor „Paar Daach fröher“ von 1994; Niedecken nennt den neuen Song denn auch „Paar Daach fröher 2.0“. „Jupp“, der nie von Stalingrad erzählt, steht neben „Mittlerweile Josephine“ über Niedeckens einst Josie genannte Tochter.

„Verdamp lang her“, von einer Krakeelerin lange gefordert, beschließt den ersten Zugabenteil, in dem auch „Wenn et Bädde sich lohen dät“ und „Jeisterfahrer“ erklingen. Das reicht den Leuten noch lange nicht, ein zweiter Block muss her, gerahmt von zwei Balladen: „Do kanns zaubere“ (alt) und „Wenn ahm Ende des Tages“ (neu), in dem auf Kreta die Sonne sinkt.

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