Die Fantastischen 4

Und die Band grinst dazu

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Sogar „Die da“ geht noch irgendwie: Die Fantastischen 4 in der Festhalle Frankfurt.

Die Fantastischen 4 treten mit ganzer Band in der Frankfurter Festhalle auf, alle tragen Schwarz, schwarzes T-Shirt und weiße Turnschuhe. Einen richtigen Support haben sie sich gespart, dafür spielen sie selbst über zwei Stunden. Der Sound ist ok, den Texten zu folgen, könnte schwer sein, wenn man sie nicht kennt, aber das ist hier nicht der Fall. Ich treffe einen Freund von ganz früher, ein paar Eltern vom (sehr gesitteten) Spielplatz. Manche, die in den 90ern dabei waren, haben ihre Kinder dabei, man konnte extra Kindertickets kaufen. Die wiederum gucken manchmal eher betreten, während die Eltern auf „MfG“ tanzen. Ich fragte mich zuvor, ob und wie man nach 25 Jahren noch das gruselige „Die da“ spielen kann – nun, man kann. Was das Publikum zwischen begeistert und johlend aufnimmt, die Band grinst dazu und kriegt es sogar hin, das nicht wie eine pseudoironische 90er-Party aussehen und klingen zu lassen.

Dass der Song und der Tanz und das alles steinzeitlich daherkommen – und sich damit abheben von den vielen weiteren Hits des Abends, bei denen zumindest ich nicht sagen könnte, ob die jetzt ein oder zwölf Jahre alt sind – geschenkt. Und doch spielen sie „Das ist mein Ding“ vom aktuellen Album in einer sehr basslastigen Version direkt hinterher. Der Bass ist der Fetisch der letzten Jahre, nicht nur im Hip-Hop.

Vor allem die alten Abiparty-Grinse-Hits brachten ihnen schnell Prügel von denen ein, die vom Rap Härte und Realness wollten und ihn als Gegenentwurf zur Popmusik verstanden – nun ist das erstens ewig her und zweitens gibt es das alles ja, wovon die Fantastischen 4 erzählen. Und wer will noch Rap und Pop sinnvoll auseinanderhalten? Und doch trifft die alte Kritik noch einen Punkt, über den sich nachdenken ließe, denn tatsächlich hat die Wut im Sound der Fantastischen 4 bis jetzt nie richtig Platz bekommen. Gegen die seit Jahren in der deutschsprachigen Musik vor allem migrantisch geprägten Geschichten, die oft vom sozialen Aufstieg erzählen – manchmal über Rap – und dabei ein aggressives Bild von Standhaftigkeit bemühen, die Jungs als Macker, die Frauen als Beute, klingen die Fantastischen 4 wie die musizierende bundesdeutsche Mittelschicht.

Nun ist das einfach nur eine Feststellung, und es wäre zudem unfair, dies gegen die Band zu verwenden, ihr zu unterstellen, sie sähe in ihrer heilen Welt keine Probleme. Denn tatsächlich haben sich die Fantastischen 4 Zeit ihrer Karriere ja immer politisch engagiert. Hier, am Eingang, wird jeder mit Gästelistenplatz darum gebeten, mindestens fünf Euro an „Laut gegen Nazis“ zu spenden. Am Schluss eines wohlig-unterhaltsamen Konzerts werden sie sagen, es müsse um Liebe gehen, nicht um Hass. Zum Grund des Problems kommt man damit nicht. Aber es ist ein Anfang.

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