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Aaron Frazer „Introducing...“

Balladenton und Leichtigkeit

  • vonStefan Michalzik
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Der Mann der Stunde im Neosoul: Aaron Frazer und sein Debütalbum ,,Introducing...“

Bislang ist Aaron Frazer in erster Linie als Schlagzeuger der US-amerikanischen Retrosoulband Durand Jones & The Indications in Erscheinung getreten, wo er zugleich die – auffällige – zweite Stimme gegeben hat. Nun hat er sein erstes eigenes Album veröffentlicht und wird als Mann der Stunde im Neosoul gefeiert – zu Recht. Neosoul ist ein Genre, das derzeit die fantastischsten Blüten treibt. Im besten Fall, siehe Sault, kann das über die pure nostalgische Reproduktion von Merkmalen einer zurückliegenden Ära hinausweisen.

In nostalgischer Aufmachung

Der weiße Musiker, aufgewachsen in Baltimore, heute lebt er in Brooklyn, geht im Anspruch auf einen zeitgenössischen Umgang mit historischem Material nicht so weit wie beispielsweise Sault. Die beseelte Falsettstimme ist das Zentrale Merkmal auf „Introducing...“ – ein gerne verwendeter Titel übrigens für Alben in den sechziger Jahren, die nostalgischen Anleihen bei der Gestaltung der Albumhülle wie im Outfit des Musikers selbst sind aussagekräftig.

Das Album:

Aaron Frazer. Introducing… Aaron Frazer. Dead Oceans/ Cargo.

Ein prägender Anteil, auch als Ko-Songschreiber, kommt dem Produzenten Dan Auerbach zu, dem Kopf der rumpel-räudigen US-Bluesrockband The Black Keys. Das Album mit seinen zwölf Songs hält eine Schwebe zwischen melancholischem Balladenton und milde beschwingter Leichtigkeit. Nicht der Machismo eines James Brown ist für diese Überschreibung von Soul und Funk der Pate, vielmehr der Autorensoul der siebziger Jahre um Marvin Gaye und Stevie Wonder, im Falle von Frazer besonders auch der Überschwang eines Curtis Mayfield. Eine Musik, die allein schon mit dem weichen Einsatz der Stimme offenlegen wollte, dass auch Männern ein Moment von Verletzlichkeit nicht fremd ist.

Das ist die musikalische Seite – mit seinen Texten dagegen hebt Aaron Frazer eher auf die klassische Machart der sechziger Jahre ab: Liebesfreud’ und Liebesleid, ohne darüber in Klischees zu versinken. Offen politisch motiviert erscheint einzig das euphorische „Ride With Me“, in dem die Gemeinschaft als Trägerin des Wandels beschworen wird.

Grandios das Spiel mit den nicht selten auch innerhalb eines Songs stetig wechselnden instrumentalen Klangfarben. Mal ein rhythmisch akzentuiertes Klavierriff, dann Fender-Rhodes-Piano, Mellotron, Hammond-B3-Orgel, eine jazzaffine Flöte. Die Liebesverlustballade „Have Mercy“ ist von Reduktionismus perkussiver Prägung wie zugleich auch wieder von Üppigkeit mit Chor und Hall gekennzeichnet. Ausgesprochen funky wirkt „If I Got It (Your Love Brought It)“, mit einem Bläsersatz im Refrain.

Aufgenommen wurde das Album in Dan Auerbachs analog ausgestattetem Studio in Nashville, gleichsam historisch beglaubigt durch die Hinzuziehung von Musikern der legendären Memphis Boys, die unter anderem auf Platten von Aretha Franklin, Dusty Springfield und Elvis Presley gespielt haben, dazu Mitglieder der Studioband des Retro-Soul-Labels Daptone; Auerbach spielt hier und da Gitarre und singt im Hintergrund.

Als weiteren Songwriter hat er unter anderem den 80-jährigen L. Russel Brown gewonnen, der sich mit Klassikern wie „Tie a Yellow Ribbon ’Round the Ole Oak Tree“ (Tony Orlando) in die Popgeschichte eingeschrieben hat. Alles Belege dafür, dass hier nicht gerade das popmusikalische Rad neu erfunden worden ist. Was an der Großartigkeit von Aaron Frazers „Introducing ...“ nichts ändert.

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