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Badly Drawn Boy.

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Badly Drawn Boy: „Banana Skin Shoes“ – Trotz der Bananenschale

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„Banana Skin Shoes“ ist ein schwungvolles Album von Badly Drawn Boy.

Damon Gough hat unter dem Namen Badly Drawn Boy selbst schon einige Klassiker veröffentlicht. Auf seiner Comeback-Platte „Banana Skin Shoes“ zitiert er etliche andere Meilensteine der Rockgeschichte von The Stranglers bis Chicago. Lange hat man nichts von dem Briten gehört. Die Unterbrechung hat ernste und traurige Hintergründe. Jene haben aber nach dem Motto „wer viel Leid erfährt, wird schöpferisch“ nur Gutes zum Album beigetragen.

Spät war Gough als Filmkomponist, Lyriker, Multiinstrumentalist und charismatischer Sänger mit 28 ins Musikbusiness gestartet. Rückblick: Die britische Presse entfacht Anfang 2000 einen Hype um ihn, da ist er 30. Von ihm erscheinen einige bahnbrechende Ohrwürmer der ausrinnenden Britpop-Welle: „Once Around the Block“, „Disillusion“, „Pissing In the Wind“ und „Something To Talk About“. Das Label XL, renommiert durch The Prodigy, kofinanziert Damon Gough damals riesige Aufgebote an Session-Instrumentalisten und Streicherensembles.

Obwohl der Musiker aus der Region Manchester selbst über 20 Instrumente beherrscht, von Celeste bis Vibraphon. Der Soundtrack zu „About a Boy“ gerät zum Höhepunkt seines Schaffens, ebenso zum Zenith der Neo-Popliteraten-Strömung. Denn verfilmt wird eine Novelle von Nick Hornby.

Badly Drawn Boy: Banana Skin Shoes. One Last Fruit / Rough Trade.

Badly Drawn Boy macht danach weiterhin Musik, von der er gut leben kann. Die Trennung von seiner Partnerin 2012, krankhafte Alkoholabhängigkeit und aus beidem resultierende seelische und körperliche Leiden schaukeln sich zum kompletten Aus hoch. Zeilen wie „I feel so vulnerable / I want to be / Only in love“ resultieren aus Verletzlichkeit und Einsamkeit jener Zeit. Sie spiegeln diese jetzt im wohlig-süßen Song „You and Me Against the World“ und in intensiver Harmonieseligkeit der ganzen Platte. Eine weitere Botschaft steckt im Reim „Lost control, of part of my soul / Bring it back, make it whole“ in „I Need Someone To Trust“: Viel dreht sich um die Suche nach Bezugspersonen, wenn ein Mensch sich selbst nicht mehr über den Weg traut.

Gelernt hat der Songwriter daher aus dem Kampf mit sich selbst, dass es nach Trennungen darauf ankommt, nett zu sein statt nachtragend. Der Slogan „I Just Wanna Wish You Happiness“ kündet davon. Der Engländer empfiehlt in seinen optimistisch klingenden Liedern, sich mit Dingen zu befassen, die man mag. Das Brexit-Votum und die Wahl Trumps kurz darauf stimmten ihn so traurig, dass er seine Berufung wieder fand, Mut machende Melodien zu schreiben. Goughs poppige Akkordfolgen und rockige Riffs sprudeln wieder vor Einfallsreichtum, Eingängigkeit und zugleich auch kunstvoller Komplexität. Dem sinnbildlichen Pech beim Tritt auf die Bananenschale auf dem Gehsteig begegnet dieses Album mit Schwung.

Die Kraft der Synästhetik, des Visualisierens von Tönen, der Vertonung von Farben, liefert den verträumtesten und zugleich prägnantesten Track. Orange, purpurfarben, grün, rot, gelb, so leuchtet in „Colours“ das Konglomerat aus Keyboards, Crash-Becken, Wurlitzer-Klavier, elektromechanischem Clavinet und allerlei anderen Zutaten. Im Gewirr lassen sie sich kaum erkennen. Der Künstler selbst sagt im Interview, er habe die Aufnahmen ein halbes Jahr lang nicht mehr angefasst, könne sich an die Details nicht erinnern. Die geheime Rezeptur hat nun als Zaubermixtur das Zeug zur späten Wiederbelebung des Genres Britpop. 14 edle Tracks strömen zu einer knappen Stunde zusammen, einer neuen „Hour Of the Bewilderbeast“. So hieß die erste CD des schlecht gezeichneten Jungen, der wieder hervorragend Musik malt.

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