Konzertreihe

„Bach zur Nacht“ in St. Katharinen: Vom Hackbrett aus besehen

  • vonBernhard Uske
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Die Frankfurter Reihe „Bach zur Nacht“ in St. Katharinen bietet Konzerte mit Abstand und Atmosphäre, diesmal mit Margit Übellacker am Hackbrett und Jürgen Banholzer an der Orgel.

Es sieht ein bisschen aus wie eine auf die Seite gelegte und verkleinerte Harfe – jenes Musikinstrument, das den schrecklichsten Namen aller Klangkörper trägt: Hackbrett. Eine ebenso martialische wie blutige Angelegenheit insinuierend, was allerdings in der Bezeichnung anderer Sprachen überhaupt nicht der Fall ist. Im Englischen beispielsweise „Dulcimer“ genannt, entstanden aus dulce melos – dem lieblichen Klang. Genau um einen solchen handelt es sich bei dieser seit gut 500 Jahren in diversen Bau- und Klangformen geläufigen Klangquelle, die auch Kantele, Psalterium oder Pantaleon genannt wird. Letzteres der Vorname eines Bach-Zeitgenossen, der das Instrument weiterentwickelte. Ein Saiten- und ein Schlaginstrument zugleich, wo mit den zwei Schlägeln und deren speziell geformten Enden das „Hacken“ sich in einen glockenhaften, nachschwingenden und pendelnden kleinen Klangwirbel verwandelt.

Jetzt war in der Reihe „Bach zur Nacht“ in St. Katharinen an der Frankfurter Hauptwache – wo die Konzerte wegen der Abstandsregeln fürs Publikum immer zweimal am Abend gespielt werden – Gelegenheit, dieses Instrument zu hören. Außerhalb der Volksmusik, wo es vielerorts zur lebendigen Musizierpraxis gehört; und auf einer musikalischer Grundlage, die für die gesamte Katharinen-Reihe gelten soll: Bach in ungewöhnlichen Kontexten und Zuordnungen.

Bachhack war damit natürlich nicht gemeint; vielmehr ging es um Transkriptionen, die Margit Übellacker zwei Violinsonaten Johann Sebastian Bachs (e-Moll BWV 1023 und G-Dur BWV 1019) angedeihen ließ. Die Hackbrett-Spezialistin und der Organist des Abends, Jürgen Banholzer, sind die Gründer des Ensembles La Gioia Armonica, das sich barockem Repertoire im Kontext des Hackbretts widmet. Übellacker und Banholzer, die in ihren Disziplinen Spieler und Lehrer sind, präsentierten sich vor dem Katharinenkirchen-Altar (Banholzer schlug eine Truhenorgel).

Markant beleuchtet

Zum Konzept des je halbstündigen „Bach zur Nacht“ gehört neben musikalischer Rarität auch der Hintersinn: „Bach im Licht“, was konkret die Erleuchtung des Kirchenraums betrifft und von den Licht-Gestaltern Parviz Mir-Ali und Andreas Schwarz verantwortet wird. Das durch die Kriegsschäden seiner einstigen protestantischen Barock-Ausstattung entledigte Kirchengehäuse erhielt mit markantem Raum-Blau und der gülden angestrahlten Reliefwand Fritz Schwarzbecks mit den Bergpredigt- und Gethsemane-Szenen hinter dem Altar Atmosphäre. Die durchaus ein Mehr an klanglichem Volumen vertragen hätte: man hielt von solistischer Seite den von Bach in seinen Violinsonaten den Vorbildern Vivaldi und Corelli entlehnten Habitus ziemlich klein.

Schön kamen allerdings die formalen Ertüchtigungen in der Stimmenfülle zum Tragen, die das konstruktive Kennzeichen des Zentralgestirns der vorklassischen Musik nördlich der Alpen ist.

„Bach zur Nacht“ in St. Katharinen, Frankfurt: Samstags um 19.30 sowie um 21.30 Uhr. www.stk-musik.de

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