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Axiom im Palmengarten: Stetig verschieben sich die Gewichte

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Von: Stefan Michalzik

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Das Quartett Axiom bringt weite Horizonte in den Frankfurter Palmengarten

International besetzt ist das Quartett Axiom um den 1970 in Jugoslawien geborenen und in Nürnberg aufgewachsenen Schlagzeuger Dejan Terzic, der heute als Professor für sein Instrument in Bern lehrt. Von den amerikanischen Ursprüngen des Jazz und dessen klassisch modernistischer Bopgestalt hat sich seine Musik weit entfernt. Sie knüpft an eine europäische Jazztradition an, dabei geht sie jedoch einen sehr eigenständigen Weg.

Erst einmal galt es auszuharren an diesem Abend in der von der Frankfurter Jazzinitiative beschickten Reihe Jazz im Palmengarten. Ein Teil der Band ist den derzeit gehäuft auftretenden Widernissen des Reisens ausgesetzt gewesen – jener Teil, der mit der Bahn anreiste. Berlin-Frankfurt elf (!) Stunden, dann geschwind die mitgeführten Becken auf das bereitstehende Schlagzeug geschraubt und mitten hinein ins Konzert.

Bei Axiom – in der Mathematik der unbestreitbare Grundsatz – hat man es mit Ensemblemusik zu tun. Zwar kam dem (für den Saxofonisten Chris Speed eingesprungenen) Kasseler Alt-Spieler Christian Weidner eine gewisse Sonderrolle zu, weit entfernt jedoch der Gedanke, dass sich das übrige Trio um Terzic und den in Paris lebenden serbischen Pianisten und Fender-Rhodes-Spieler Bojan Zulfikarpašic sowie den in Los Angeles ansässigen neuseeländischen Bassisten Matt Penman als „Rhythmusgruppe“ verbuchen ließe. Stetig verschieben sich die Gewichte, mal geht der Grundimpuls von den Tasten aus, mal führt der Bass eine melodische Linie. Das Schlagzeug nimmt überwiegend eine rhythmolodische Rolle ein.

Alles fern der Klischees

Oft heben Stücke mit einem Instrument unbegleitet an, in gedämpft-verhaltenen Klangbildern; dann bestimmen Abstufungen zwischen laut und leise und klangsprachlicher Differenzierungen die Dramaturgie. Mal ist ein stakkatohaft perkussiv angeschlagenes Klavier der Antrieb, mit unorthodoxen Anklängen an den Minimalismus. Dann ist da auch mal eine groovebetonte Nummer, wie alles fern jedes Klischees. In „Sultan Pascha“, einer Komposition von Bojan Zulfikarpašic, ist die spätromantische Welt eines Alexander Skrjabin nicht weit. Aus dem Fender-Rhodes-Piano holt Zulfikarpašic mittels Mutation durch eine kleine elektronische Box bratzende Sounds heraus.

Im Repertoire, gespeist aus den Alben „Prometheus“ (2016) und „Silent Dancer“ (2021), finden sich vereinzelt „jazzigere“ Stücke, in denen eine solistische Expressivität zutage tritt im mal hauchbelegt tieftönigen, dann wieder (trotz der anderen Lage des Instruments) „coltranesken“ Spiel Christian Weidners.

Es sind immer wieder andere musikalische Horizonte, die sich in der Musik von Dejan Terzic auftun, eine eklektizistische Stilrevue indes ist es nicht. In dieser Art ist das ungehört.

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