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Der Finne Pietari Inkinen am Pult.

SWR Symphonie-Orchester

Augen auf und durch

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Mit gleich zwei Einspringern schlägt sich das neue SWR Symphonie-Orchester in der Alten Oper Frankfurt gut.

Ernüchternd, aber auch beeindruckend war es jetzt, erleben zu können, wie austauschbar die führenden Protagonisten unter ausgebufften Tournee-Profis sind. Statt David Zinman dirigierte der Finne Pietari Inkinen in der Alten Oper, noch nach dem Programmdruck erkrankte auch der Pianist Arcadi Volodos, für ihn sprang sein ebenfalls aus St. Petersburg stammender russischer Landsmann Alexei Volodin ein.

Das Programm allein blieb unverändert, was sich gewiss auch seinem extrem klassischen Zuschnitt verdankte. Dass sich das neue SWR Symphonie-Orchester mit einer derart risikoarmen Auswahl erstmals dem Frankfurter Publikum vorstellte, hatte eine bittere Note – stand doch namentlich das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, soeben nach langen, erbitterten Abwehrkämpfen mit dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart zusammengelegt, für eine Avantgarde-zugewandte Haltung. Uraufführungen sind auch weiterhin angekündigt, in der Alten Oper waren es jetzt aber erst einmal Ludwig van Beethovens 3. Klavierkonzert und Johannes Brahms’ 1. Sinfonie.

Und vorher Carl Maria von Webers „Euryanthe“-Ouvertüre, die sich im Konzertsaal in ungewohnt sinfonischer Opulenz zeigte. Das Ergebnis wirkte darum eher schwelgerisch als geisteropernhaft. Gleichwohl wird Deutschlands gegenwärtig größtes Sinfonieorchester vorerst immer nur zu seinem kleineren Teil gemeinsam auftreten – 175 Musikerinnen und Musiker gehören nach der Zusammenlegung dazu, und erst durch die „natürliche Fluktuation“ soll die geplante Sollstärke von 119 allmählich erreicht werden. In Frankfurt hatte man nicht den Eindruck, dass das Alter der Mitglieder dem auf Einsparung hoffenden SWR in dieser Hinsicht entgegenkommt.

Ein kernig und zupackend spielender Solist war dann Einspringer Volodin im Beethoven-Konzert, der wie mit dem Zeigefinger auf jeden Ton hinzuweisen schien. Das Largo geriet etwas sehr breit und knochenlos. Problemlos gestaltete sich die Zusammenarbeit mit Dirigent und Orchester, wobei Inkinen dem Pianisten gestalterisch den Vortritt ließ.

Großartige, elegante Klangflächen bot das Orchester in der Brahms-Sinfonie, die Bläsersätze zum Teil wunderschön, zum Teil etwas aus dem Gleichgewicht oder im Gesamtklang nicht optimal austariert. Inkinen wählte eine unsentimentale Gangart, die Schönheit konnte für sich selbst sprechen.

Der Schluss der Sinfonie zwingt zum Jubel, auch in der Alten Oper funktionierte das gut.

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