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Paavo Järvi, ausholend beim Eröffnungskonzert des Rheingau Musik Festivals.
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Paavo Järvi, ausholend beim Eröffnungskonzert des Rheingau Musik Festivals.

Rheingau Musik Festival Eberbach

Mit aufgeblasenen Backen

Das hr-Sinfonieorchester eröffnet in Kloster Eberbach das 2014er Rheingau Musik Festival mit einem Mendelssohn-Programm. Es gibt in der Basilika jetzt Akustik-Hemmer, bei den tiefen Frequenzen helfen sie nicht.

Von Stefan Schickhaus

Das Rheingau Musik Festival fährt seine Ellenbogen aus. Nach vorne ebenso wie nach hinten. Denn normalerweise lösen sich die Spielpläne der institutionellen Konzert- und Opernhäuser in den Städten und der Festivalkalender des in deren Sommerpause springenden Veranstalters im Rheingau nahtlos, aber sauber ab. In diesem Jahr allerdings spielt das RMF im Schatten der verschobenen hessischen Sommerferien ganze elf Wochen lang. Als der „Sommer voller Musik“ jetzt in Kloster Eberbach wie stets durch das hr-Sinfonieorchester eröffnet wurde, hatte etwa die Oper Frankfurt noch nicht einmal alle Premieren durch. Und wenn am 13. September das RMF den Schlussakkord setzen wird, wird die Alte Oper bereits auch schon fast zwei Wochen Programm hinter sich haben. Aus dem Lückenfüller ist ein Mitbewerber geworden.

Ungewohnt auch, wie leichthändig jetzt eröffnet wurde. In den Jahren zuvor gab immer eine der gewaltigen Mahler-Sinfonien den Ton an, diesmal gab es ausschließlich Mendelssohn. Für Paavo Järvi, der sich mit dem letztjährigen Eröffnungskonzert vom Chefdirigentenamt des hr-Orchesters verabschiedet hatte und der den Abend nun als Ehrendirigent wieder leitete, war das eher unvertrautes Terrain; Mendelssohn spielte in seinem Konzertkalender bis dato kaum eine größere Rolle.

Mann fürs Großsinfonische

Järvi ist eher ein Mann fürs Großsinfonische, und auch bei Mendelssohn – seiner Ouvertüre zum „Märchen von der schönen Melusine“, seiner ersten Sinfonie und der „Sommernachtstraum“-Schauspielmusik – verzichtet er nicht auf den vollformatig-sinfonischen Zugriff. Doch ist er ebenso einer, der mehr auf spitze Finger statt auf die geballte Faust setzt, und das bekommt dieser Musik gut. Gerade die selten gespielte frühe c-Moll-Sinfonie war hier als schnittiges, temporeiches Sturm- und-Drang-Stück zu erleben.

Wenn da nicht wieder die berüchtigte Akustik der Basilika von Kloster Eberbach quergeschossen hätte. Die neue Bestuhlung ist zwar nun mit Akustik-Hemmern ausgestattet, doch die tiefen Frequenzen ließen sich davon nicht beeindrucken. Dem agilen Tempo stand ein topfiger, sumpfiger Klang gegenüber, was das Bild eines drahtigen jungen Mendelssohn mit eigentümlich aufgeblasenen Backen ergab. Lediglich die wunderbar ausformulierenden Holzbläser konnten, am schönsten im zweiten Satz der Sinfonie, lichte Inseln des echten klanglichen Glücks einstreuen.

Shakespeare kommt noch

Ein Schwerpunktthema dieses 2014er-Rheingau-Programms ist der 450. Geburtstag von William Shakespeare, und das hr-Sinfonieorchester ist ein Partner, der sich auf solche Themen konstruktiv einlässt: Hier der „Sommernachtstraum“, beim zweiten Auftritt des Orchesters Ende August dann die ebenfalls von Shakespeare inspirierte Tondichtung „Macbeth“ von Richard Strauss (und Strauss’ 150. Geburtstag ist ja auch ein Thema im Rheingau).

Für die auszugsweise gegebene „Sommernachtstraum“-Musik war der Estnische Philharmonische Kammerchor aus Järvis Geburtsstadt Tallin in den Rheingau gekommen, ein wirklich hervorragendes Vokalensemble. Wobei der Chor aber nur an zwei knappen Nummern mitzuwirken hatte.

Die damit diskussionswürdige Ökobilanz dürfte Wasser auf die Mühlen jener Mainzer Fluglärmgegner sein, die vor dem Eröffnungskonzert entlang der Zufahrtsstraße eine perfekt organisierte Plakat- und Protestaktion initiiert hatten. Ein gut gewählter Ort, sitzen doch im Kuratorium des Rheingau Musik Festivals auch die maßgeblichen Entscheider über den Frankfurter Flughafen und ist Festivalintendant Michael Herrmann selbst ein bekennender Befürworter des Flughafenausbaus.

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