Iván Fischer in der Alten Oper.
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Iván Fischer in der Alten Oper.

Alte Oper

Aufersteh’n

  • Judith v. Sternburg
    vonJudith v. Sternburg
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Mahlers 2. Sinfonie, gelassen und mächtig in Frankfurt.

Den Ernst von Gustav Mahlers 2. Sinfonie greift der Dirigent Iván Fischer in der Alten Oper Frankfurt fundamental und dabei völlig unpathetisch auf. Zum großen Orchester kommen nicht ein Gong, sondern zwei, und nicht eine Pauke, sondern zwei, dazu ein veritables Fernorchester – immer wieder eilen Schlagwerker und Bläser zu den Türen hinaus –, der große Chor, schließlich die Orgel. Es ist ein Spektakel und doch kein Spektakel, es ist bombastisch, aber auch unmöglich, Mahler das vorzuwerfen. Es ist ihm ernst, auch Fischer ist es ernst. Alles ist sehr zwingend an diesem Abend.

Wirklich behäbig setzt der schwere, erste Satz ein – gleich soll man auch merken und merkt, dass bei einer Mahler-Sinfonie Lichtjahre zwischen der Aufnahme daheim und dem Erlebnis im Saal liegen. Die Cellisten des Budapest Festival Orchestra sind eine vibrierende, lebhafte Macht. Ohne Ironie – überhaupt zieht Fischer auch die Karte des Grotesken praktisch nie – entwickelt sich das Andante, wiegend, nicht besonders doppelbödig. Es ist eine starke Geradlinigkeit im Dirigat und im Vorankommen des Orchesters, das sich durch die Musik fräst, zurückhaltend im Tempo, aber unsentimental.

Durch das Nadelöhr, das zwischen den Musikern bleibt, schlüpfen danach die Mitglieder des Tschechischen Philharmonischen Chores Brno auf die jetzt knallvolle Bühne. Das ist die einzige größere, tatsächlich etwas störende Pause. Rascher und weniger den Fluss der Ereignisse störend, finden später noch Elisabeth Kulman und Christiane Karg ihre Plätze. Kulmans Mezzo wirkt natürlich und tragend, passt wunderbar zur Gesamtsituation, in der der helle Wahnsinn der musikalischen Situation vermittelt wird, als wäre es doch eine Selbstverständlichkeit. Karg bleibt zunächst sitzen, schraubt ihren Sopran bloß ganz zart aus dem inzwischen mittuenden Chor heraus. Die Besetzung ist an dieser Stelle reiner Luxus, aber auch bezaubernd.

Die hinteren Sätze ab dem „Urlicht“ sind außerdem eine einzige, sich immer mehr steigernde Ekstase, für die Musiker auch eine geglückte Hochkonzentrationsleistung. Hinterher großer Jubel, herrlich inadäquat und doch verständlich. Wo soll man hin mit seiner Aufregung.

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