Musik

Auferstanden aus dem Matsch

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Puddle Of Mudd gastieren im Frankfurter Club Das Bett.

Das werde ja eine schöne Zeitreise, das Konzert der Matschpfütze im Bett, schrieb einer aus dem Musikbusiness, und sein halb glasiges, halb mitleidiges Grinsen wurde mit jedem Buchstaben in der E-Mail breiter. Wie recht er hatte.

Zum Auftakt spielt die US-Band Puddle Of Mudd im Frankfurter Club Das Bett nicht nur ihren 17 Jahre alten Hit „Control“, sondern veredelt ihn auch noch mit dem bald 50 Jahre alten „War Pigs“ von Black Sabbath. Willkommen zu einem Ritt zurück, rau und herzlich.

Puddle Of Mudd, 1993 in Kansas City gegründet und nach einer Überschwemmung benannt, die den Proberaum flutete, schickte sich einst an, legitime Nachfolgeband von Nirvana zu werden – na gut, eine der ca. 23 795 legitimen Nachfolgebands von Nirvana. Daher die Genrebezeichnung: Post-Grunge. Das Album „Come Clean“ (2001) kam sauber auf der Welt herum, reiste vielerorts in die Top Ten ein, aber danach wurde es dünn und immer dünner mit dem Erfolg.

Dass es die Band immer noch gibt, ist Wes Scantlin zu verdanken, dem Gründer, Sänger und Gitarristen, der bis heute nicht müde wird, immer wieder neue Kollegen um sich zu scharen. Aktuell sind das Matt Fuller (Gitarre, halb herausgewachsener Irokesenschnitt), Michael John Adams (Bass, Naturlocken) und Dave Moreno (Schlagzeug, paar Kilo zu viel, aber was für ein Pfund!).

Dass es Wes Scantlin immer noch gibt, ist wiederum ein mittleres Wunder. Nicht nur optisch dem dahingeschiedenen Kurt Cobain ähnlich, machte er seine Erfahrungen mit bewusstseinserweiternden Substanzen. Zu viele Erfahrungen, würden unter anderem seine ehemaligen Bandkollegen sagen, die ihn gelegentlich allein auf der Bühne zurückließen, wenn er nicht mehr wusste, was, wann, wo und warum. Immer wieder mal gab Scantlin bekannt, die Band existiere weiterhin, sie habe sich nicht aufgelöst, wer etwas anderes behaupte, sei doof, im Übrigen sitze er auch nicht im Gefängnis.

Und jetzt steht er da, 46, rote Pudelmütze auf dem Kopf, und ringt unterhaltsam um jeden einzelnen hohen Ton. Manche davon trifft er auch noch, aber das spielt keine übergeordnete Rolle – die begeisterten Fans singen sowieso ausnahmslos alles mit und halten Schilder hoch: „Wes rocks“.

Eine Erwähnung wert, dass die Band um sage und schreibe 22.30 Uhr den Saal betritt. Drei Vorgruppen sind da schon über die Bühne gegangen, darunter die bemerkenswerte niederösterreichische Combo Psycho Village. Kompliment und Küss die Hand ins Nachbarland – das war ein Brett. Für Puddle Of Mudd ist trotz der späten Stunde noch genug Energie übrig, die dankenswerterweise nicht in zu viel Lautstärke investiert wird. Ohrstöpsel können in der Tasche bleiben.

Ein schwerer Schicksalsschlag für alle Hobbygitarristen: Die Anfangsakkorde von „Drift & Die“, dem besten aller Puddle-Of-Mudd-Songs (wer etwas anderes behauptet, ist doof) bleiben mysteriös; von schräg rechts vor der Bühne sind sie wieder nicht zu erkennen, und das Intro geht einfach viel zu schnell vorbei.

Andere Menschen sind offenbar der Meinung, „She Hates Me“ sei der beste aller POM-Songs – jedenfalls filmen praktisch alle Konzertbesucher mit, als Wes von einer vergangenen Liebesbeziehung singt, die, tja, einigermaßen unglücklich ausging. Kurz vor Schluss knallt die Band noch „T.N.T.“ in den Saal, eine AC/DC-Hommage, die auch auf dem jüngsten POM-Album mit Coverversionen (2011) enthalten ist. Seither heißt es, die Veröffentlichung des nächsten Studioalbum stehe unmittelbar bevor, und wer das nicht glaube, sei doof.

Am Ende, gegen Mitternacht, spielt die Band das grandiose „Blurry“ – aber das noch grandiosere Flageolett-Intro kommt vom Band. Ein Jammer.

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