Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Chick Corea 2014 beim Ajazzgo-Festival in Cali, Kolumbien. LUIS ROBAYO / AFP
+
Chick Corea 2014 beim Ajazzgo-Festival in Cali, Kolumbien. LUIS ROBAYO / AFP

Nachruf Chick Corea

Auf eigenen Wegen

  • vonHans-Jürgen Linke
    schließen

Zum Tode des überragenden Jazz-Pianisten Chick Corea.

Die Band hieß „Return To Forever“, und mit ihr nahm Chick Corea 1971 das gleichnamige Album auf; ein knappes Jahr später folgte „Light As a Feather“. Beide bereicherten den seinerzeit überaus angesagten elektrischen Jazzrock, zu deren Miterfindern Chick Corea zählte, um eine klanglich luftige, harmonisch originelle, von lateinamerikanischer Rhythmik geprägte und melodisch inspirierte Variante.

Auch klassisches Repertoire

Armando Anthony „Chick“ Corea wurde am 12. Juni 1941 in Chelsea, Massachusetts, geboren. Schon im zarten Alter von vier Jahren bekam er Klavierunterricht bei seinem Vater. Der war ein regional bekannter Bandleader, der traditionellen Jazz spielte. Er führte seinen Sohn auch an das klassische Klaviermusik-Repertoire heran und erzog ihn zu einem professionellen musikalischen Eklektizismus. So war er früh vertraut nicht nur mit der Musik eines Horace Silver, Bud Powell, Bill Evans oder McCoy Tyner, sondern auch mit Mozart und Beethoven und geriet nie in die Gefahr, ein musikalischer Purist zu werden.

Er spielte schon als junger Mann unter anderem in der Band von Cab Calloway, arbeitete viel mit Musikern der Latin-Jazz-Szene zusammen und nahm Ende der 60er Jahre zwei Solo-Alben auf, die ihm im Jazz-Kontext einen guten Ruf bescherten. Einen Ruf, der unter anderem dazu führte, dass ihn Miles Davis 1968 in seine Band holte, wo er Herbie Hancock ersetzte. Mit dieser Besetzung entstanden die Epoche machenden Alben „In a Silent Way“ und „Bitches Brew“. Da war Chick Corea gerade mal in seinen frühen Dreißigern und auf der Karriereleiter in seinem Musik-Genre schon ziemlich weit oben angekommen.

Miles Davis, der überragende Jazz-Musiker und Erfolgs-Beschleuniger dieser Jahre, war es auch, der Chick Corea vom akustischen zum elektrischen Klavier brachte, obwohl der anfangs das damals emblematische Fender Rhodes nicht besonders schätzte. Der Jazz, der vom populären Rock und der elektronischen Musik inspiriert war, hatte in den 70er Jahren seine vorerst letzte kommerzielle Erfolgs-Phase, und die Zeiten waren in der populären Musik entsprechend schnelllebig. So dauerte es nur zwei Jahre, bis Chick Corea sich von Davis löste und seine eigenen Wege ging.

Mit Anthony Braxton, Dave Holland und Barry Altschul gründete er zunächst das überraschend avantgardistische Quartett „Circle“. Nur ein knappes Jahr später aber hatte der Mainstream ihn wieder. Chick Corea gründete mit dem Saxophonisten und Flötisten Joe Farrell, dem Bassisten Stanley Clarke, dem Perkussionisten Airto Moreira und der Sängerin Flora Purim das Quintett „Return To Forever“. Die Band gehörte von Anfang an zu dem Kreis transatlantisch arbeitender jüngerer Jazzmusiker bei dem damals aufstrebenden, heute längst legendären Münchner Schallplatten-Label ECM Records. Coreas emblematische Komposition „Spain“ war auf dem zweiten Album der Band enthalten.

Solistischer Lebensentwurf

Der große Erfolg von „Return To Forever“ war gleichwohl kein Grund, bei dieser Besetzung zu bleiben. Chick Corea war weniger von der Idee getrieben, mit working bands die Musik in seinem Genre voran zu bringen; statt dessen verfolgte er das Lebens- und Karriere-Konzept eines Solisten, der sich seine Begleiter nach eigenem Gusto zusammenstellt. Er arbeitete fortan überwiegend ohne feste Formation, initiierte ein Projekt nach dem anderen oder nahm Angebote in stets prominenten Kontexten an. Er spielte elektrisches und akustisches Klavier und leitete abwechselnd seine Electric Band und seine Acoustic Band, nahm Soloplatten auf, darunter auch Hommage-Alben für einige seiner Vorbilder und bevorzugten Pianisten; er spielte mit Herbie Hancock oder Béla Fleck im Duo, arbeitete mit Eddie Gomez, Paul Motian oder Bobby McFerrin, später mit Miroslav Vitous und Roy Haynes, Gary Burton oder John McLaughlin, mit Christian McBride und Brian Blade. Er spielte in einer Rhythm’n’Blues-Band und feierte im Jahre 2009 eine Reunion mit Originalmitgliedern seiner Erfolgs-Formation „Return To Forever“.

2006 führte Chick Corea sein zweites Klavierkonzert „The Continents“ mit dem Bayerischen Kammerorchester in der Wiener Staatsoper auf. Und 2018 kam es zu einer Art erneuter Rückkehr zu alten Wurzeln: Mit seiner „Spanish Heart Band“ nahm er das Album „Antidote“ auf, für das er 2020 einen Grammy erhielt. Überhaupt wurde Chick Corea während seiner Karriere reichlich mit Auszeichnungen bedacht. Allein 65 Mal wurde er für den Grammy Award nominiert und 23 Mal damit ausgezeichnet. 1992 gründete er sein eigenes Tonträger-Label Stretch Records.

Schon relativ früh in seiner Karriere, während der 80er Jahre, begab sich Chick Corea in das Umfeld des Sektengründers Ron L. Hubbard und vergaß fortan nie, ihn in den Danksagungen seiner Alben als Inspirator zu nennen. 1993 wurde er von einem Konzert in Stuttgart suspendiert, nachdem die Landesregierung die Subventionierung des Konzerts wegen seiner Scientology-Mitgliedschaft streichen wollte. Corea klagte dagegen beim Mannheimer Verwaltungsgerichtshof, der die Klage jedoch abwies. Ab 1997 lebte er in Clearwater, Florida, wo er ein Studio mit Unterrichtsräumen unterhielt. Er verstand das Wort „clear“ nicht nur als Bestandteil des Ortsnamens, sondern auch als Anspielung auf ein Leitziel von Scientology.

Am 9. Februar ist Chick Corea, der zu den prominentesten Jazzmusikern seiner Generation gehört, im Alter von 79 Jahren in Folge einer spät erkannten Krebserkrankung gestorben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare