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Ensemble Modern

Auf Augenhöhe

  • VonStefan Michalzik
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Das Ensemble Modern und der Pianist Florian Weber spielen Schönberg’sches Koalitionsschach.

Das ist ein tatsächliches Treffen: Die Instrumente begegnen sich auf Augenhöhe, immer wieder tritt eines hervor, oft unbegleitet oder mit nur einem Mitspieler. Der Pianist ist ein wenig häufiger im Spiel als die anderen, seine Position ist jedoch nicht die eines herausgehobenen Solisten. Der strukturelle Grundgedanke für die Begegnung des Ensemble Modern mit dem Jazzpianisten Florian Weber, die von den Kunstfestspielen Herrnhausen veranstaltet worden und als Stream eines Konzerts aus dem Dachsaal der Deutschen Ensemble Akademie zu sehen ist, geht auf das von Arnold Schönberg entwickelte Koalitionsschach zurück – entwickelt Anfang der zwanziger Jahre unter dem Eindruck des Ersten Weltkriegs als Schachvariante, in der es Koalitionen zwischen zwei Groß- und zwei Kleinmächten zu bilden gilt. Die Musikerinnen und Musiker sind entsprechend in vier Instrumentalgruppen aufgeteilt, die in einem Zusammenspiel von Komposition und Improvisation mal mit- und mal gegeneinander „antreten“, wie es in einem Begleittext heißt. Grundlage der Abschnitt um Abschnitt wechselnden Koalitionen bilden Zwölftonreihen, die die elf Instrumentalistinnen und Instrumentalisten entwickelt haben.

Dabei entsteht eine schattierungsreiche Musik, ein Klang von verhaltener Eindringlichkeit einesteils, dann aber auch wieder von jagender Bewegtheit mit Nähe zur freien Spielweise im Jazz. Der Schattierungsreichtum ist auch charakteristisch für das Spiel von Florian Weber auf dem Klavier, zugleich sind da immer wieder perkussive Züge, mit einer gewissen Nähe zu Thelonious Monk; alles in eigenständigem Ansatz. Teils sind es altbewährte Techniken der Avantgarde, die an diesem Abend eingesetzt werden, Perkussion auf den Klappen der Blasinstrumente beispielsweise und gestrichene Perkussionsinstrumente, beim Klavier Griffe in den Korpus.

Schönberg hat darunter gelitten, dass er wegen Untauglichkeit nicht in den Ersten Weltkrieg ziehen konnte. Mit seinem Koalitionsschach, so der Wiener Kulturhistoriker Ernst Strouhal, habe er „seine Sehnsucht, sich in Reih und Glied aufzustellen und wirkliche Kämpfe mit tausend anderen zu leisten“ kompensiert. In den musikalischen Texturen dieses großartigen Konzerts ist immer wieder viel Reibung zwischen den Instrumenten – freilich als Teil eines Miteinanders.

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