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Rheingau Musik Festival

Astor Piazzolla Quintett: Das Piano will nicht nur begleiten

  • VonMarcus Hladek
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Das Astor Piazzolla Quintett beim Rheinhau Musik Festival.

Astor Piazzolla (1921-92) komponierte rund dreitausend Stücke und nahm fünfhundert davon auf. Zugang zum Nachlass gewährt seine Witwe nur dem Astor Piazzolla Quintett, das nach abenteuerlicher Anreise im neuen Metternich-Konzertkubus im Cuvéehof von Schloss Johannisberg zu Gast war.

Barbara Varassi Pega (Klavier) sprang dabei für Nicolás Guerschberg ein, der die Covid-bedingte Blitzausreise aus Argentinien verpasste. Ansonsten war die Stammbesetzung mit Pablo Mainetti (Bandoneon), Serdar Geldymuradov (Violine), Armando de la Vega (E-Gitarre) und Daniel Falasca (Kontrabass) vollzählig.

Abweichend vom Programmheft direkt vor der Zugabe gespielt, nahm „Adiós Nonino“ unter den Stücken des Konzerts eine Sonderstellung ein und beeindruckte das Publikum noch mehr als zuvor Satz II der „Camorra“-Suite Piazzollas, in der er symphonische Merkmale ausprobiert hatte, und „Escualo“ (Hai). „Adiós Nonino“, seine berühmteste Einzelkomposition, schrieb er sich 1959 in tiefer Trauer auf den Tod des Vaters Vicente „Nonino“ von der Seele und führte die Komposition zeitlebens immer wieder auf.

Abschied von dem Vater

Der herausragende Bandoneonspieler und wichtigste Neuschöpfer des Tango als „nuevo“ Tango mit Einflüssen aus Klassik, Jazz und musikalischer Moderne etablierte im Abschiedsstück für seinen toten Vater ein Standardmuster künftiger Arbeiten: die Abfolge schneller und melodiöser Tangopartien im Wechsel mit langsamer kreisenden Basslinien und Soli, die nicht selten Piazzollas Studium des Kontrapunkts und Bachs sowie die Auseinandersetzung mit modernen Klassikern wie Strawinsky spiegeln, letztere etwa in den Alarmtönen im „Tod des Engels“ spürbar. Bei Piazzolla wird improvisiert wie im Jazz, nur eben im Klangmaterial des Tango. Kein Wunder, dass auch die Neue Musik seinen Tango Nuevo förmlich adoptierte und er auch auf dieser Hochzeit tanzte.

Zum Glück erwies sich das angereiste Quintett als viel mehr denn ein Nachlassverwalter, auch wenn der Bandeonista Pablo Mainetti in Piazzolla-Tradition stehend mit dem Knie auf dem Schemel spielte, und das extrem virtuos und beeindruckend. Musiker spielen ja meist in vielen Orchestern und haben ihren eigenen Kopf, was in diesem Fall Versteinerungen auf Witwen-Geheiß ausschließt.

Das Konzert war demzufolge quicklebendig und abwechslungsreich. Wo Piazzolla das Piano, aber auch die Gitarre seinerzeit recht gern dem Rhythmusgerüst zuschlug (die viele Klopferei an den Instrumenten ersetzt ihm sowieso das Schlagzeug), nutzten die Musiker ihre Freiräume, ohne dass eine einzige der zwei Millionen im Konzertkubus verbauten Schrauben ihnen ins Getriebe fiel.

Schön zum Beispiel der weiche Fusion-Sound der Gitarre de la Vegas in seinem Al-Pacino-Look, gleich neben dem George-Bush-Lookalike Mainetti als optische Mitte; fein vor allem auch die Dialoge zwischen Bandoneon und der larmoyanten Violine und ein Klavierspiel, das sich gegen bloßes Begleiten bockig sträubte. Viele Stücke atmeten trotz allem Tango-Luft, darunter die beiden „Milonga“-Stücke oder die saisonalen Hafen-Nummern („Invierno“ und „Verano porteño“), andere kamen luftig-fröhlich daher wie „Caliente“ oder so frech und klassisch wie „Fuga y misterio“. Ein richtig schöner Abend.

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