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Arlo Parks, 2000 in London geboren, hat ihr erstes Album veröffentlicht: „Collapsed in Sunbeams“. Foto: Alexandra Waespi
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Arlo Parks, 2000 in London geboren, hat ihr erstes Album veröffentlicht: „Collapsed in Sunbeams“.

Debüt aus London

Arlo Parks: „Collapsed in Sunbeams“ – Wie die Menschen ticken

  • vonStefan Michalzik
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„Collapsed in Sunbeams“, das Debütalbum der jungen Britin Arlo Parks.

Die Musik von Arlo Parks ist ziemlich flockig. Es sind Popsongs mit den Qualitäten von Ohrwürmern, die sich auf „Collapsed in Sunbeams“ finden, dem Debütalbum der 20-jährigen Londonerin, die von Geburt Anaïs Oluwatoyin Estelle Marinho heißt. Der Titel geht auf Zadie Smiths Roman „On Beauty“ zurück; literarische Anspielungen tauchen mehrfach auf.

So leichtfüßig ihre Musik ist, geht es in den Songs von Arlo Parks nicht zuletzt um psychische Unbill und die Bewältigung von Krisen. In „Green Eyes“ beklagt das lyrische Ich, an ein Gegenüber gerichtet, dass es mit ebendiesem – Parks ist bisexuell – über zwei Monate lange nicht öffentlich Händchen halten konnte. „Felt their eyes judging our love and baying for blood/I could never blame you darling“ – fühlte, wie sie unsere Liebe berurteilten und nach Blut lechzten, könnte dir nie die Schuld dafür geben. Ein Teil der Songs ist aus der Innerlichkeit geschöpft, andere sind aus beiläufigen Beobachtungen heraus entwickelt. „I was waiting for the bus one day...“ beginnt „Caroline“. Arlo Parks erlebt an der Haltestelle den derb geführten Streit eines Paars und imaginiert den weiteren Verlauf um Resignation und Trennung.

Super traurig und beschwingt

Das Album

Arlo Parks: Collapsed in Sunbeams. PIAS/Transgressive/Rough Trade.

Jede Generation, so Arlo Parks in einem Radiointerview, habe ihre eigene Angststörung. „Unsere kommt von Social Media.“ Die stete Präsenz in den Netzwerken erzeuge einen ungeheuren Druck: die Angst, dem Ideal der Bilder nicht zu genügen. „Ich will wissen, wie ich selbst ticke, und ich will wissen, wie andere Menschen ticken. Und ich will die Natur des Leidens an sich verstehen“.

Dass die Musik dabei konventionell wirkt, ist kein gravierendes Manko. Prägend ist die psychedelische Slidegitarre mitsamt dem vom Funk geprägten Bass, hinzu kommen Synthiesounds und elektronische Beats. Praktisch über alle zwölf Songs hinweg sind die Beats mehr oder weniger schleppend, was eine musikalische Beschwingtheit, getragen nicht zuletzt durch die warme, einen direkt ansprechende Stimme nicht verhindert.

Die Grundstruktur: Eine eher sparsame Instrumentierung in den Strophen, für die Refrains werden die Texturen dichter. Ab und an wird, wie gelegentlich schon im klassischen Soul der sechziger Jahre, eine Strophe gesprochen. Auch wenn der Rap für diese Art des Musizierens der große Pate ist, gibt es einzig im abschließenden „Portra 400“ eine veritable Rap-Passage. Eine Affinität zum Trip-Hop zeigt sich am ausgeprägtesten in „For Violet“.

„Super Sad Generation“ heißt ein früher Song der musikalischen Autodidaktin – die Musik jedoch verbreitet eine eher ausgeglichene Stimmung. „Hope“, Hoffnung, lautet nicht umsonst einer der Titel, der den Narben trotzt: „We all have scars/ I know it’s hard/ You’re not alone/ You’re not alone“. Hoffnung, Trost – das geht bei Parks ohne das platte Versprechen „positiven Denkens“.

Die Nummer „Hurt“, die von der Bewältigung eines Traumas handelt, geht auf ein Zitat der US-Schriftstellerin und Menschenrechtlerin Audre Lorde zurück, demzufolge Schmerz sich entweder ändern oder enden wird. „Deshalb wollte ich einen Song schreiben, der einen aufbaut und zu dem die Leute tanzen können. Etwas, das sie daran erinnert, dass selbst die Tiefpunkte im Leben irgendwann wieder vorbeigehen.“

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